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„If I‘ll find the way“

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„If I‘ll find the way“ | story.one

Pünktlich auf die Minute hielt der Bus in der Haltestelle, das Ziel stand in Leuchtbuchstaben über der Windschutzscheibe: Mdina. Normalerweise bin ich bei öffentlichen Verkehrsmitteln vorsichtig und schaue mir den Weg und die Fahrzeit genau an, aus Angst meine Haltestelle zu versäumen, doch hier würde es die Endstation sein, deshalb genoss ich den Ausblick, als wir Vallettas Promenade entlangfuhren und die wechselnde Landschaft, als wir die Hauptstadt verließen und sich der Bus ins Landesinnere bewegte. Malta hatten wir als gutes Anfangsziel auserkoren, um das Reisen mit Kind zu testen, da unsere Freunde J und St seit ein paar Monaten zu dritt waren. Der kleine Mann schlief selig in seinem Kinderwagen und während ich ihn dabei beobachtete, fiel mir auf, dass wir an einer Kreuzung für meine Begriffe in die falsche Richtung abbogen. Gut, Orientierung war noch nie meine Stärke und Buslinien nahmen nicht immer den schnellsten Weg, also behielt ich diese Wahrnehmung für mich. In der nächsten Ortschaft fuhr der Bus in einen Kreisverkehr ein, drehte eine Runde und nahm jene Ausfahrt, durch die er gekommen war. Leichtes Stirnrunzeln meinerseits, allerdings wollte ich optimistisch bleiben und dachte: „Er ist der Chauffeur und er ist von hier, der kennt den Weg bestimmt und ich sehe mehr von der Insel.“ Trotzdem beschlich mich leise Skepsis und als St sein Handy zückte und offenbar google maps einstellte, merkte ich, dass ich nicht allein war. Ein prüfender Blick durch den Bus ergab, dass außer uns noch 3 weitere Paare anwesend waren; allesamt Touristen, die wohl das gleiche Ziel hatten. An der nächsten Haltestelle blieb der Bus etwas länger stehen und der Chauffeur kramte in seiner Kabine, blätterte in einem Buch, kramte weiter, blickte suchend um sich und wurde offenbar nicht fündig. Im Fahrgastraum kehrte Unruhe ein, irgendetwas stimmte hier nicht. Wir fuhren weiter, unser kleiner Reiseneuzugang schlief immer noch. Nach einem Blick auf die Uhr schaute ich aus dem Fenster und sah nur gelben Sand, Palmen, Büsche und viel Gegend. Weit und breit kein Mdina, obwohl wir schon da sein sollten.

Der Bus hielt abermals: Niemand stieg aus, niemand ein. Da drehte sich der Chauffeur um und bat nach… „Was? Einer Karte?“ Im ersten Moment glaubte ich, mein Englisch hatte mich verlassen, doch die anderen Passagiere hatten es auch gehört und begannen in ihren Taschen zu suchen. St stand auf und stellte sich neben den Chauffeur, das Handy in der Hand. Die beiden besprachen sich und es sah aus, als hätten sie sich darauf geeinigt, dass St dem Chauffeur den Weg ansagen würde. Der Bus drehte um und musste ein gutes Stück zurückfahren. Das Gespann schaffte es, dass wir in relativ kurzer Zeit in Mdina ankamen. Sichtlich erleichtert stiegen alle Passagiere aus. Gerade als ich auf den Ausgang zuging, fragte ein Mann durch die offene Tür: „Are you going to Valletta?“ Der Buschauffeur sah mich an und antwortete mit einem Schmunzeln: „Yes, if I‘ll find the way.“

© Verena Lechner 2021-02-28

Reisen

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