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Niemandsjahr

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Niemandsjahr | story.one

„Niemandsland.“ Das Land zwischen zwei Landesgrenzstationen.

„Niemandsjahr“. Die Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Silvester.

Ruhig und still ist diese Zeit. Die Weihnachtsgäste sind in alle Himmelsrichtungen davongeflogen und die Silvestergäste noch nicht eingetrudelt. Es ist die Zeit der Rauhnächte, die Zeit zwischen den Jahren, in denen sich vieles wandelt und die Weichen für das neue Jahr gestellt werden sollen. Der Aberglaube hat uns gelehrt, welche Dinge wir in dieser Zeit machen und nicht machen sollen und dieses Wissen hat sich über Jahrhunderte erhalten. Nicht nur dieses Wissen, auch die Energie ist immer noch spürbar, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Lange Zeit habe ich mich dagegen gewehrt, habe gespürt, dass da etwas ist, es aber nicht zuordnen können. Mittlerweile habe ich erkannt, dass diese Tage für mich etwas ganz Besonderes sind und ich sie bewusst nach meinen Wünschen gestalten kann: planen, abschließen, schreiben, zeichnen, träumen und genießen sind meine Tätigkeiten im Niemandsjahr. Bereits zu den Weihnachtsfeiertagen schiele ich zum Notizbuch, das beinahe ungeduldig wackelt, und zwischen Festtagsmenü und Verwandtenbesuchen, zwischen Wein und Beef Tartar freue ich mich bereits darauf, das abgelaufene Jahr Revue passieren zu lassen – vor meinem inneren Auge und durch meine Feder.

Was hatten die vergangenen 366 Tage für mich parat? Welche Ziele habe ich erreicht? Welche Erfahrungen gemacht? Was hat sich verändert? Was hat mich berührt – im positiven wie im negativen Sinn? Wen habe ich berührt? Wer hat mich begleitet und wem konnte ich eine Stütze sein?

Ganz bewusst versuche ich in diesen Tagen Dinge loszulassen, die mich belasten, und Sachen in mein Leben einzuladen, die mir guttun würden. Papier, Stift, Räucherwerk und die vier Elemente helfen mir dabei. Ich schließe nicht nur das alte Jahr ab, ich bereite mich auch auf das neue Jahr vor.

Was soll es mir bringen? Wovon wünsche ich mir mehr in meinem Leben? Was kann ich dazu beitragen, diese Welt ein kleines Stückchen besser zu machen? Welche Ziele möchte ich erreichen? Wer kann mich dabei unterstützen und wen kann ich unterstützen?

Es bringt mir Frieden im Herzen und ich merke, wie ich dadurch immer mehr zu mir komme, je bewusster ich diesen Übergang gestalte. Und wie schön ist es jedes Mal, davon zu träumen, was alles kommen könnte, was alles möglich sein kann? Das alte Jahr ist wie ein vollgeschriebenes Buch, dessen letzte Seiten ich in diesen Tagen vollende und das ich dann ins Regal stellen kann, während das neue Jahr wie ein weißes Blatt Papier darauf wartet, dass ich den ersten Satz schreibe, um dann zu einem weiteren Buch zu werden. Möge es ein gutes werden – nicht nur für mich, sondern für uns alle – das wünsche ich euch von Herzen.

© Verena Lechner 2020-12-30

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