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Zuckerfrei – Die Challenge

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Zuckerfrei – Die Challenge | story.one

„Sie dürfen zwei Wochen kein Obst und Gemüse essen und müssen auf raffinierten Zucker in jeglicher Form verzichten, danach testen Sie, welche Lebensmittel Sie vertragen“, sagte die Ärztin zu einer Freundin, als sich ihre Fructoseintoleranz bestätigt hatte. Sie fragte mich daraufhin verzweifelt um Rat. Gemeinsam versuchten wir für sie Strategien zum Durchhalten zu entwickeln. Nachdem die zwei Wochen vorüber waren, berichtete sie mir von ihren Erfahrungen: „Die erste Woche war die Hölle, ich konnte mich nicht konzentrieren, hatte Kopfschmerzen und wirklich miese Laune, der eiskalte Entzug. Aber stell dir vor, in der zweiten Woche ging es wirklich bergauf. Meine Verdauung hat sich verbessert, ich bin leistungsfähiger, falle nach dem Essen nicht gleich ins Suppenkoma und habe tatsächlich schon ein Kilo abgenommen.“

Das Ergebnis klang verlockend und für einen Augenblick überlegte ich, ob ich das auch ausprobieren möchte, verwarf den Gedanken aber wieder. Die Adventzeit und Weihnachten standen vor der Tür und bei Lebkuchen und Keksen konnte ich einfach nicht widerstehen. In diesem Jahr hatte ich es allerdings mit dem Süßkram und gutem Essen übertrieben und lag zu Silvester in der Jogginghose auf der Couch, weil ich gefühlt keine andere Hose mehr zubekam. So konnte das nicht weitergehen, es reichte! Meine Freundin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Kilos verloren und ich sagte relativ spontan zu meiner Frau: „Das mache ich jetzt! Ich stelle mich der Challenge, verzichte auf raffinierten Zucker und nehme Fruchtzucker nur noch zu mir, wenn ich Obst im Ganzen esse.“ Gut, dass ich sie vorgewarnt hatte, denn in der ersten Woche verfluchte sie mich innerlich, als ich mit anhaltend schlechter Laune um das Süßigkeitenregal schlich wie eine ausgehungerte, griesgrämige Wölfin. Zudem hatte ich das Gefühl, dass ich nichts mehr essen konnte, weil ich in jedem Lebensmittel zugesetzten Zucker entdeckte. Nach gut 1,5 Wochen war der Spuk einigermaßen vorbei; das ständige Bedürfnis nach Zucker ließ nach, mein Hautbild verbesserte sich, das Nachmittagstief, die „Kekspause“, blieb aus, dafür war ich leistungsfähiger auch beim Sport. Ich fühlte mich großartig, leicht und beschwingt, bis ich mit meinem Umfeld in Kontakt kam. Das reagierte entgegen meinen Erwartungen nicht nur positiv, sondern teilweise sogar schockiert; zu tief ist Zucker in unserer Gesellschaft verankert und den Kuchen zum Kaffee hat man nicht abzulehnen. Familienmitglieder schlossen Wetten ab, wie lange ich durchhalten würde und testeten mich, indem sie mir etwa gegen meinen Wunsch ein Stück Torte servierten. Ich blieb standhaft. Und tatsächlich, nach einem halben Jahr hatten es endlich alle begriffen: Die meint es ernst, die lebt zuckerfrei! Das tue ich mittlerweile seit zwei Jahren und es fühlt sich immer noch großartig an. Ob ich Ausnahmen mache? Ja, in der Adventzeit gibt es eine Packung meines Lieblingslebkuchens auf 24 Tage verteilt.

© Verena Lechner 2021-01-24

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