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11. Juni 2021

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11. Juni 2021 | story.one

…wieder hat mein Tag damit begonnen, dass ich am frühen Morgen ein Bad in „meinem Küchensee“ genieße. Früh um 5.00 Uhr stehe ich am Ufer, blicke über den spiegelglatten See und denke so bei mir, dass ich auf einem wunderschönen Fleckchen Erde zu Hause bin. Rings um mich herum Wasser, soweit das Auge reicht. Mehr brauche ich nicht zum Leben.

8 Monate, von Oktober bis einschließlich Mai, habe ich diesem Vergnügen nicht frönen können aufgrund der kalten Jahreszeit. Doch jetzt ist es wieder meine Zeit, mein täglicher Zwang, morgens aufzustehen, um dieses wunderbare Ritual, so will ich es mal nennen, zu erleben.

Ich steige in den See ein und schwimme los… Als ich mich umdrehe, sehe ich 3 Ratten, die es sich am Ufer gemütlich machen. Sicherlich wird so mancher sich davor ekeln, aber wir müssen nun mal mit diesen Tieren leben, denn vernichten können wir sie nicht. Die Ratten haben uns schon immer überlebt, sind vermutlich resistent gegen sämtliche Schädlingsbekämpfungsmittel. Außerdem, warum soll ich mich darüber aufregen? Die Ratten haben mit Sicherheit mehr Angst vor mir als ich vor Ihnen. Nun, ich sehe mir das noch eine Weile an, dann schwimme ich weiter. Das Wasser wird mit jedem Sommertag wärmer. Ich fühle mich wohl. Das Wasser trägt mich sanft auf den See hinaus und ich bin wieder überglücklich. Wenn ich leise schwimme, sodass meine Arme unter Wasser die Schwimmzüge fortführen, ist es noch mal so schön, denn ich nehme nur die Geräusche der Natur um mich herum wahr. Vogelgezwitscher und ab und zu ein Plätschern, wenn ein Fisch aus dem Wasser springt, um sich eine Fliege oder andere Insekten zum Frühstück zu fangen. Ich könnte stundenlang schwimmen, denn ich fühle mich so leicht und beschwingt. Ich fühle keinerlei Anstrengung. Doch irgendwann wird es kalt und ich muss umdrehen. Ganz selten sehe ich am Ufer, pfeilschnell, einen Vogel, der im Licht schimmert wie ein Edelstein. Aber er ist zu schnell, als dass man ihn wirklich beobachten könnte. Es ist der Eisvogel, der am Ufer entlang flitzt. Man könnte meinen, es war nur ein schneller, grünlicher Blitz, aber wer genau hinsieht, erkennt den kleinen Superstar unter unseren heimischen Vögeln. Bachstelzen, die wippend auf den Steinen hin und her hüpfen, machen mir Spaß. Und die Seeschwalben, die blitzschnell über mich hinweghuschen, mit dem Schnabel ins Wasser eintauchen und ebenso wieder weiterfliegen,- das alles sind Momente, die ich genießen darf, wenn ich früh am Morgen hier, an und in meinem Küchensee bin. Das ist mein persönliches, kleines Paradies, frei und zufrieden und im Einklang mit der Natur.

© Gabriela Rateike 2021-06-11

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