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#menschen#grab#autos

ALLERHEILIGEN

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ALLERHEILIGEN | story.one

Einmal im Jahr gehen wir gemeinsam auf den Friedhof, das ist zu Allerheiligen.

Die Menschen strömen aus allen Seiten Richtung Friedhof, die Parkplätze und die umliegenden Straßenzüge sind mit Autos vollgeparkt. Wir gehen zu Fuß, denn wir haben nicht weit und kaum sind wir auf der Straße, verschwinden wir sofort im Menschengewühl und werden mit der Strömung mitgerissen.

Die Musikkapelle können wir schon hören, sie marschiert von der Kirche in den Friedhof, das heißt, wir sind noch nicht zu spät. Wir bahnen uns den Weg durch die Gräberreihen, wo überall die Angehörigen schon versammelt sind und uns freundlich zunicken. Wir stehen nun auch vor der Grabstätte, die Hände gefaltet und beobachten die Menschen an den anderen Gräbern. Alle sind schon in warme Mäntel oder Jacken geschlüpft, denn der Wind bläst eisig übers Land. Von den geschmückten Gräbern und den vielen Lichtern ist nichts zu sehen, da muss ich wohl am Abend noch einmal in den Friedhof gehen, denke ich mir. Die Musikkapelle marschiert nun im Friedhof ein und stellt sich auf, der Priester und die Helfer gehen durch die Wege und segnen die am Grab stehenden Menschen, die Musikkapelle spielt ein schwermütiges Stück, mir kommt es halt so vor und jedes Jahr dasselbe Stück. Mein Blick schweift wieder in die Rund, ich kann ein paar Reihen weiter ein ungepflegtes Grab erkennen, kein Blumenschmuck und ich versuche, den Namen auf dem Stein zu lesen. Die Schrift ist schon vergilbt, ich schaue immer wieder hin, keine Menschenseele steht davor. Doch plötzlich, gerade als der Priester das Vaterunser zu beten beginnt, nähert sich ein Kind, ungefähr sechs oder sieben Jahre, mit einer Kerze in der Hand, bückt sich und stellt das Licht auf den Grabstein und ich Bete leise dieses Vaterunser, für diesen Verstorbenen.

© Gina 2019-11-01

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