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#berge

Eiszeit

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Eiszeit | story.one

Die ersten Tage im Jahr, das Wetter sehr stabil, windstill um die null Grad. Wunderbar, die Sonne lacht über der Nebeldecke. Sie ist sehr dünn, da ist es leicht die Sonne zu finden.

Zweimal ist uns das gelungen, also mache ich den Vorschlag am 3. 1. noch höher hinaufzufahren.

Von weit oben auf die Nebeldecke herabzublicken und die Höhensonne zu genießen.

Ja, auf nach Wolfsegg, da ist gut Wandern und übers Land zu blicken. Jeden Moment warten wir darauf, den Nebel zu durchbrechen, aber nichts passiert. Am Ziel der dichteste Nebel bisher, trüb und nasskalt. Gut, wir gehen trotzdem – da oben wird es schon passen. Wir bewaffnen uns mit Pudelmütze, Schal und Handschuhen, denn das Thermometer im Auto steht schon auf -3 Grad.

Vom Hauptplatz gleich zum Schloss hinauf, steil der Anstieg. Gut gegessen, gleich losgefahren und nun? Das Herz klopft bis zum Hals, die Luft bleibt weg, oh je, nicht eingegangen, nun ist schon nach wenigen Minuten eine Pause notwendig. Das Schloss erreicht, der Waldweg beginnt. Der Schlosspark hat mächtige Bäume, die Äste nicht zu sehen, stecken fest im Nebel. Der Weg steigt leicht – oft bin ich den Weg gegangen – aber so hab ich das noch nie erlebt. Der Weg geht fast am Grat entlang. Wenn der Hochwald es zulässt, zieht der Nebel mit einer leichten Ostströmung gegen Westen und treibt die feuchte Luft durch die Landschaft. Was sich ihm in den Weg stellt, wird ein- geeist. Alles um uns herum ist mit Raureif überzogen, ganz dick und wo die Luftströmung stärker weht, da fallen Raureifstückchen herunter. Sogleich sind wir verzaubert von der Landschaft. Kleine und große Bäume, Fichten, Föhren und auch die trockenen Gräser biegen sich unter der Eislast. Die Raureifspitzen wachsen dem Wind entgegen. Unglaubliche Eisgebilde sind zu beobachten.

Sogar die zarten Spinnennetze sind gut sichtbar mit Eiskristallen überzogen. Von den Ästen hängen Fäden herunter, gerissene Spinnwebenfäden voll mit Raureif. Das wirkt wie Lametta.

Der Weg ist glatt, aber ist gut zu gehen. An der vermutlich höchsten Stelle liegt sogar Schnee mit Raureif überzogen. Wir denken gerade, wo ist die Sonne geblieben? Da kreuzt ein Wanderer unsern Weg. Wir grüßen und fragen nach dem Wetter. Ich gehe hier jeden Tag und bin selbst verwundert, dass es nur Nebel gibt. Gestern und die anderen Tage war es so schön hier mit der Sonne.

Wir drehen um und gehen zurück, den Anblick der Eiszeit hier oben in uns aufsaugend. Nun bin ich eingegangen, der Weg bergab leicht, aber der Atem ist im Bart festgefroren, so als wäre ich ein Baum. Ich darf die Eisstückchen herauslösen und freue mich auf die Jause im warmen Daheim.

© GONI 2021-01-04

Bergerlebnis

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