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#leichtigkeit#positivegedanken#innereruhe

Innere Ruhe

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Innere Ruhe | story.one

Eis, las ich auf meiner Einkaufsliste. Es war kurz vor Ladenschluss, ich eilte gestresst durch den Supermarkt und steuerte auf das Kühlregal zu.

»Können Sie nicht aufpassen?« Ein älterer Herr sah mir vorwurfsvoll in die Augen, nachdem ich ihn unabsichtlich angerempelt hatte. »Tschuldigung, tut mir leid.«

Gleichzeitig blickten wir beide auf den Boden, auf dem sein gesamter Einkauf verstreut war. Mit grimmiger Miene versuchte er sich zu bücken.

Vielleicht hatte er heute keinen guten Tag und meinte es gar nicht böse.

Anstatt mich in eine Diskussion zu verwickelt, bückte ich mich, sammelte Nudeln, Tomaten und Co ein und reichte ihm seine Lebensmittel mit einem Lächeln. Erst sah er mich erstaunt an, dann dankbar und dann zupfte doch ein Lächeln auf seinen Lippen. »Dankeschön, junge Dame. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.«

Mit meiner Packung Eis marschierte ich Richtung Kassa als im selben Moment eine Durchsage ertönte. »Wir schließen in fünf Minuten, wir bitten Sie zur Kassa zu kommen.« Zufrieden lächelte ich, weil ich es doch noch geschafft hatte.

Ein Typ flitze an mir vorbei und drängte sich direkt vor mich in die Schlange. »Hey«, fuhr ich ihn an. Er drehte sich um, sah mir geradewegs in die Augen und zuckte mit den Schultern. »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.«

Ich seufzte. Er hingegen legte eine Tafel Schokolade und eine Flasche Sekt auf das Kassaband. Vielleicht war er bloß mit seiner Freundin verabredet, zu spät dran und hatte deshalb noch ein kleines Entschuldigungspaket eingekauft.

Nachdem ich meine Einkäufe im Kofferraum verstaut hatte, machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause. Im Feierabendverkehr kam ich jedoch nur stockend voran. Ungeduldig trommelte ich mit meinem Zeigefinger gegen das Lenkrad als ich die lange Kette an Autos vor mir ausmachte. Den anderen erging es bestimmt nicht anders. Jeder wollte nach einem langen Tag einfach nur nach Hause, zu seinem Partner, seiner Familie, seinen Kindern. Dieser Gedanke entspannte mich. Ich war nicht allein.

Ich drehte die Musik auf volle Lautstärke und summte beim Refrain mit. Es war ein absoluter gute Laune Song.

Als die Ampel auf Grün umschaltete, schnitt mich ein Auto von rechts. Instinktiv machte ich eine Vollbremsung. »Verdammt!«, fluchte ich. Mein Puls schnellte in die Höhe und Schock stand mir vermutlich ins Gesicht geschrieben. Doch als ich nach vorne sah, war das Fahrzeug bereits verschwunden. Ich biss die Zähne aufeinander und versuchte Ruhe zu bewahren. Vielleicht hatte diese Person einen medizinischen Notfall. Vielleicht lag die Partnerin im Kreißsaal und würde jeden Moment das gemeinsame Kind erwarten.

Vielleicht, Vielleicht.

Vielleicht sollte ich meine innere Unruhe einfach öfter mit schönen Vorstellungen lösen. Vielleicht kommt es manchmal einfach nur auf die richtige Perspektive an.

© Grace 2021-02-22

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