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#tagebuch#sarkasmus#fuckcorona

Liebes Coronatagebuch!

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Liebes Coronatagebuch! | story.one

Die Tage verschwimmen in dieser sozialen Isolation. Jeden Morgen dringen die trippelnden Mäuschenschritte meiner Mutter an mein Ohr, die Tür öffnet sich so leise, dass sie es wahrscheinlich selbst nicht bemerkt und sie flüstert mir aus drei Meter Entfernung zu ich solle aufstehen. Zwanzig Minuten später poltert mein Vater ins Zimmer, reißt das Fenster auf, klaut mir die Decke und brüllt in Maximallautstärke in mein Ohr, warum ich nicht aufgestanden bin, als meine Mutter mich geweckt hat. Echt jetzt? Meine Mutter wäre das beste Narkosemittel für hyperaktive Pferde oder Alligatoren!

Dann, liebes Coronatagebuch, schlurfe ich ins Bad, wo mich dann die Metamorphosierende, alias meine Schwester, erwartet. Seit Beginn deiner Herrschaft, Corona, sieht man sie nämlich nur noch in ihrem Kokon – der Kuscheldecke. Wenn Raupen sich in Schmetterlinge verwandeln, spielen dann auch ihre Hormone verrückt? In unserem Haus nennen wir diese Entwicklung Zickumbrose. Äußerst ernst zu nehmen und bei näherem Kontakt hoch ansteckend! Außerdem beinhaltet es einmaliges Auftauchen infizierter Person am Morgen zum Verzehr von zwanzig Himbeeren und einem Butterkipferl (sowie eines Orangensaftes, von dem für Mitmenschen exakt ein halber Schluck im Kühlschrank zurückbleibt), bevor die Erwähnte für den Rest des Tages in ihren vier Wänden verschwindet und sich erst abends zur Umsiedelung auf die Couch wieder blicken lässt. Fairerweise muss ich sagen, dass noch nicht ganz klar ist, ob dieses Verhalten ein Symptom von Metamorphose oder Zickumbrose ist.

Es ist so weit. Du wirst es nicht glauben, aber meine Mutter schleppt mich jedes Mal vor dem Frühstück (!) und bevor ich mich überhaupt mit einem kurzen Dösen von meinem Murmeltierschlaf erholen kann, zum Joggen! Kannst du dir das vorstellen? Und als wäre es nicht schon genug Leistung sich überhaupt aufgerafft zu haben, nein, es müssen auch noch 7,9 Kilometer sein! Ich meine, kannst du dir das überhaupt vorstellen?Naja, du bist ja nur ein Stapel aus gebundenem Papier, was könntest du mir schon antworten? Nicht, dass du mir nicht gefallen würdest, ehrlich, ich liebe deinen orientalischen Einband, aber ist es nicht komisch, dass ich mich so offen mit dir unterhalte? Dich anspreche? Macht man das heutzutage noch so? Wenn das einmal mein zukünftiges Enkelkind lesen sollte, hier eine Botschaft für dich, Ronja (weißt du, ich habe irgendwie das Gefühl, dass du eine Ronja bist/sein wirst – schließlich werde ich einmal Journalistin sein/gewesen sein und was sagt man denn nicht alles über Journalisten? Genau, sie sind seeeehr hartnäckig…):

Also erstens, wenn dir deine Freundin weismachen will, dass sie in ihrer Friseurausbildung schon so weit ist, dir die Haare färben zu können, glaub das auf gar keinen Fall! Da solltest du nur bei handfesten Beweisen und als maximal zehntes Versuchskaninchen mitmachen…

Fortsetzung folgt…

© Hannah Ehgartner 2021-05-03

CORONA-Jugend ... N O lost generation!

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