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#reisen#griechenland

Gesucht und gefunden auf Peloponnes

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Gesucht und gefunden auf Peloponnes | story.one

Missmutig stehe ich am leeren GepĂ€ckband und sehe dabei zu, wie es seine Runden dreht. Ich bin mittlerweile die letzte Person in der Halle, die noch nicht den Schritt von dem unterkĂŒhlten FlughafengebĂ€ude in die griechische WĂ€rme geschafft hat. Ein Blick hinunter auf meine winzige Handtasche löst in mir eine VerĂ€rgerung ĂŒber meine Packentscheidungen und mein Vertrauen in die Fluggesellschaft aus. „Wenn wir Ihren Koffer finden, senden wir ihn am besten direkt nach Hause, sonst bleibt er noch in Griechenland liegen“, erklĂ€rt mir die Dame hinter dem Schalter mit einem großen LĂ€cheln, bevor sie mir einen fantastischen Urlaub wĂŒnscht. Die Buchung zum „fantastischen Urlaub“ war die Folge einer plötzlichen Trennung und dem Beschluss, die freien Tage vor Ostern nicht alleine Zuhause verbringen zu wollen. Jetzt stehe ich an der Infotheke zwischen etlichen Menschen, in einem Land von dem man nur trĂ€umen kann. Allein fĂŒhle ich mich trotzdem.

Ich bahne mir meinen Weg durch ein lebendiges Athen, vorbei an CafĂ©s und LĂ€den mit GemĂŒse, Blumen und Geschirr, bis ich zu einer Bushaltestelle komme. Der wartende Bus sieht gemĂŒtlich und kĂŒhl aus, ich steige ein. Wir fahren eine Weile an der KĂŒste entlang, ich sehe Boote, lachende Kinder, himmelblaues Wasser und goldgelben Sand. „Das wĂŒrde dir bestimmt auch gefallen“, denke ich mir und lehne meinen Kopf an die kalte Scheibe.

Der Bus lÀsst mich in einem kleinen Fischerdorf raus. Es scheint, als hÀtte jemand die Zeit angehalten, so still ist es.

Eine kleine Straße, die eigentlich eher ein Schotterweg ist, fĂŒhrt aus dem Dorf hinaus und am Wasser entlang. Meine Hand streicht beim Gehen ĂŒber die Zweige der BĂŒsche und die Kiesel knirschen unter meinen Sohlen. Langsam verschwindet das Meer hinter den BlĂ€ttern und ich laufe durch einen grĂŒnen Tunnel.

In einem Garten mit langen Beeten und hell blĂŒhenden BĂ€umen finde ich meine Unterkunft fĂŒr die heutige Nacht. Eine gelbgestrichene Villa und dahinter das Meer. Ich laufe die Marmortreppe zur TĂŒr hinauf und trete in die KĂŒche ein, in der ich eine lang gedeckte Tafel mit Salaten, Pasteten, gegrilltem Fleisch und GemĂŒse vorfinde.

Ich lerne Effi und Tzeni kennen, die mich freundlich in Empfang nehmen und mich zum Essen einladen. Beide haben ein warmes LÀcheln und freuen sich, ihr Haus mit mir teilen zu können.

Wir speisen, reden und lachen. Ich stelle Fragen und werde ausgefragt. Warum ich nach Griechenland gekommen wĂ€re und ob ich nicht Ostern hier mit ihnen verbringen wolle. Sie erzĂ€hlen mir von einer Kapelle auf einem Berg, von verborgenen Wanderwegen und einem Ausblick ĂŒber die KĂŒste, wie er im Buche stĂ€nde.

Die Sonne tastet langsam meinen RĂŒcken ab und auf der Kommode dreht die Schallplatte ihre Kreise.

Und ich bin nicht allein.

© Hannah Knauf 2021-02-15

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