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#vertrauensbruch#untreue

Andrea und Andreas

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Andrea und Andreas | story.one

Andrea ist achtundzwanzig, Mutter eines dreijährigen Sohnes, Tomi, und einer eineinhalbjährigen Tochter, Jasmin, dem erklärten Nesthäkchen von Papa Andreas. Bis zur Geburt von Tomi war sie in der Rechtsanwaltskanzlei ihres Mannes beschäftigt. Als gelernte Bürokraft war sie sozusagen der >gute Geist< der Anwaltskanzlei. Kaffee aufbrühen, Akten schlichten, Botengänge und vieles mehr waren ihre Agenden gewesen. Später wollte sie wieder als rechte Hand des Chefs, ihres geliebten Mannes, in die Arbeitswelt zurückkehren. Andreas, Rechtsanwalt, ist um zwei Jahre älter als Andrea. Er ist gutaussehend und sehr begehrt beim weiblichen Geschlecht. Immer wieder beteuert er seiner Frau, nichts zu vermissen und möglichen Avancen des weiblichen Geschlechts locker standzuhalten. Wenn man die langbeinige Blondine mit den azurblauen Augen sieht, könnte man den Treueschwüren des sportlichen Advokaten mit den breiten Schultern und dem Dreitagebart durchaus Glauben schenken. Die beiden waren für alle >das< Traumpaar schlechthin. Das muss auch Kerstin, die junge, attraktive Anwaltsanwärterin, die seit Kurzem als Praktikantin an der Seite von Andreas ihre ersten Sporen verdient, zur Kenntnis nehmen. Es ist unübersehbar, dass die Brünette mit den ausgeprägten weiblichen Rundungen keine Gelegenheit auslässt, mit ihm auf Tuchfühlung zu gehen.

Weil die Familienplanung der beiden bereits abgeschlossen war, hatten sie beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen. Dies hatte zur Folge, dass Andreas sich vor gut einem Jahr einer Vasektomie unterzogen hatte. Eine Durchtrennung der Samenleiter sollte zu einhundert Prozent weiteren Familienzuwachs verhindern.

Als Andreas spätabends nachhausekommt, erwartet ihn Andrea schon sehnsüchtig. Mit verklärtem Gesicht und einem ganz besonderen Leuchten in ihren Augen teilt sie ihm mit, dass sie erneut Eltern werden. Anstatt sie in die Arme zu nehmen, stößt er sie von sich und bezichtigt sie der Untreue mit den neulich zugezogenen Nachbarn. Er wirft Andrea vor, sich mit diesem eingelassen zu haben, als er kürzlich auf einem einwöchigen Seminar gewesen war. Alle Unschuldsbeteuerungen seiner Frau bringen ihn nur noch mehr in Rage. Er selbst wäre ja nicht mehr zeugungsfähig. Wutentbrannt verlässt er die gemeinsame Wohnung, um schnurstracks seine Praktikantin aufzusuchen. Bei ihr lädt er seinen tiefen Frust über die Untreue seiner Frau ab. Kerstin ist eine Frau, die es versteht, den Männern den Kopf zu verdrehen und um den Verstand zu bringen. Geschickt hatte sie es eingefädelt, ihn davon zu überzeugen, sie auf das Seminar mitzunehmen. Ein einziges Mal nur war er schwach geworden und ihren Verführungskünsten erlegen.

Als sie ihn jetzt auch noch darüber in Kenntnis setzt, dass auch sie schwanger ist, verkommt Andreas zu einem Häufchen Elend. Den Arzt, der bei der Vasektomie offensichtlich geschlampt hatte, werde er nach allen Regeln der Kunst verklagen, sagt er kleinlaut.

© Harald Hartl 2021-09-18

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