skip to main content

#ewigkeit#'verbundenheit

Ein Augenblick für die Ewigkeit

  • 80
Ein Augenblick für die Ewigkeit | story.one

Beinahe ein halbes Jahrhundert ist es her. Dennoch ist mir diese Zeit, dieser ganz besondere Tag, vor allem aber dieser eine einzigartige und wundervolle Augenblick bis heute und für immer unauslöschlich im Gedächtnis verhaftet geblieben. Es war der 6. Oktober 1972, als sich mein damals noch so junges Leben grundlegend verändern sollte. Ich war sechzehn und ein halbes Jahr, kein Kind mehr, doch lange noch kein Mann. Meine pubertäre Phase befand sich so ziemlich auf dem wahrlich nicht rühmlichen Höhepunkt, und meine Mutter, mit der ich vor über einem Jahr von der Stadt aufs Land gezogen war, hatte es wahrlich nicht leicht mit mir. Das Interesse fürs weibliche Geschlecht war längst schon erwacht, in Wahrheit drehten all meine Gedanken sich um nichts anderes. Seit geraumer Zeit gab es auch die eine oder andere Bekanntschaft, die wiederum der Begierde nach weiteren >Eroberungen< gehörig Vorschub leistete.

Eines Tages, Anfang Oktober, blickte ich aus unserem Küchenfenster, als ich SIE zum ersten Mal in meinem Leben sah. Der kurze Moment, indem sie mit ihrem roten Maxi-Moped in aufrechter Sitzposition vorbeiflitzte, genügte, mein junges Herz höher schlagen zu lassen. Ihr glänzendes brünettes Haar flatterte im Fahrtwind und ihr Engelsgesicht löste in mir etwas aus, von dessen möglicher Existenz ich damals nichts ahnen konnte: >Begehrlichkeit< oder gar >Liebe auf den ersten Blick< waren mir noch fremd. Bis zu diesem Tag wusste ich nicht, dass sie meine Nachbarin war und mir schräg gegenüber wohnte - keine fünfzig Meter weit von mir entfernt! All meine Gedanken drehten sich von diesem Augenblick an nur mehr um dieses Mädchen. Ich erfuhr, dass sie ein Jahr älter war als ich und begrub somit meine Hoffnung, sie näher kennenlernen zu dürfen, da ich befürchtete, sie könnte bereits vergeben sein. Wahrscheinlich hat sie einen älteren Freund mit einem Auto, einen Mann und keinen Jungen, dachte ich wehmütig und wenig selbstbewusst. Meine Mutter, der ich mich anvertraute, ermutigte mich, sie einfach anzusprechen. Bei Erkundigungen über mein Traummädchen konnte ich in Erfahrung bringen, dass auch ich ihr angeblich gefiel. An besagtem 6. Oktober wagte ich es dann, sie vor dem Haus ihrer Eltern anzusprechen. Wir spazierten gemeinsam ein Stück des Weges, bald schon Hand in Hand. Daraus wurde eine Gemeinsamkeit fürs ganze Leben. Nicht all die Jahre verlief alles nur harmonisch. Gerade in jener Zeit, in der ich dachte, ich könnte etwas versäumt haben in meinem Leben, war unsere Liebe einer Prüfung unterzogen.

Heute, 49 wundervolle Jahre, zwei Kinder und vier Enkelkinder später, wissen wir beide längst schon, dass unser damaliges Date das Beste in unserem Leben war, das uns passieren konnte. Es war Liebe auf den ersten Blick, die auch in stürmischen Zeiten nicht wirklich ins Wanken geriet. Eine Liebe, die stets größer und schöner wurde und wir wissen auch, dass sie für den Rest unseres gemeinsamen Lebens Bestand haben wird.

© Harald Hartl 2021-10-13

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.