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#selbstüberwindung#disziplin

Innerer Schweinehund

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Innerer Schweinehund | story.one

Wenn ein Thema mich beschäftigt oder Erinnerungen an längst vergangene Zeiten in mir hochkommen, aber auch wenn mir spontan etwas in den Sinn kommt, hab ich bei >story.one< eine geniale Plattform gefunden, um all meine Gedanken, Gefühle, manchmal auch meinen Frust oder ganz einfach nur meine wiedermal mit mir durchgehende Phantasie mit rund 2500 Anschlägen in eine virtuelle Welt und damit einer mehr oder weniger breiten Leserschaft zur Kenntnis zu bringen.

Heute zum Beispiel, frühmorgens, als ich mich nach einem von meinem tierischen Freund vehement eingeforderten Spaziergang auf ins Fitnessstudio machte, tat ich das in Wahrheit nur deshalb, weil ich es mir am Vortag fest vorgenommen hatte. Geist und Körper drängten eher auf eine angenehme Massage am bequemen Massagestuhl oder auch nur nach einem langsamen Ankommen im neuen Tag. Aber ausgemacht ist ausgemacht, und sei es mit mir selbst! Die diesbezügliche Disziplin hab ich mir vermutlich in den vielen Jahren, in denen ich exzessiv Sport betrieben habe, antrainiert. Wie heißt es doch so trefflich: Sport fördert Geist und Körper! Dem kann ich durchaus zustimmen.

Ich befinde mich also im ersten von drei mir selbst aufoktroyierten Sätzen meiner Bauchmuskelübung und bemerke, dass ich so absolut keinen Antrieb vorfinde, mich zumindest eine Stunde am noch so jungen Tag zu quälen. Somit beschließe ich, heute ausnahmsweise nur zwei anstatt drei Durchgänge meiner schweißtreibenden Übungen, die von Zeitgenossen, die dem Sport nur mäßig bis gar nicht zugetan sind, möglicherweise als masochistisch bezeichnet werden könnten, zu absolvieren.

Mit jeder Minute, in der ich drücke, ziehe, hebe, dehne, verrenke, leise stöhne und was weiß ich noch alles, und mit jeder Perle an Schweiß, die sich langsam von der Stirn ihren Weg nach unten bahnt, wird ER mehr und mehr vom Ehrgeiz und dem Wissen, wie gesund, speziell im fortgeschrittenen Alter, es ist, Körper und Geist Gutes zu tun, sogar ein bisschen zu quälen, zurückgedrängt - der innere Schweinehund. Anfängliche Trägheit und Unlust, mich zu überwinden, sind längst schon dem Triumph, IHN erneut besiegt zu haben, gewichen. Das Wissen und die Überzeugung, dem unausweichlichen Alterungsprozess ein weiteres Mal ein Schnippchen zu schlagen, befriedigt mich sodann einmal mehr. Aus den in Gedanken reduzierten zwei Sätzen werden wieder drei, und dazu kommen noch die eine oder andere Übung, die das Gleichgewicht fördert, zumindest jedoch einer Reduktion desselben entgegenwirkt, hinzu. Nach mehr als einer Stunde verlasse ich die >Folterkammer<, die in Wahrheit aber ein wahrer Jungbrunnen ist und weiß, dass mein geliebter Hund - ohne Schweine - auf mich wartet und den zweiten von zumeist drei Spaziergängen des Tages einfordern wird, jedoch freue ich mich darauf. Da mein innerer Schweinehund ohnedies chancenlos ist, zieht er es vor, mich erst gar nicht von meinem Vorhaben abzubringen. Danach jedoch steht Relaxen am Tagesplan!!!

© Harald Hartl 2021-10-11

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