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Reich über Nacht

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Reich über Nacht | story.one

Hand aufs Herz, wer von uns hat nicht schon mal damit geliebäugelt oder gar davon geträumt, plötzlich zu jenen privilegierten Menschen zu gehören, die nicht angehalten sind, in der zweiten Hälfte des Monats, spätestens jedoch am Monatsende, die Haushaltsausgaben zu priorisieren, weil sie bereits sehnsüchtig aufs nächste Gehalt warten. Wer möchte nicht in der glücklichen Lage sein, nicht jeden Euro umdrehen zu müssen, bevor man ihn fürs Nötigste ausgibt? Wie schön wäre es doch, sich teure Klamotten oder gar ein neues Auto - cash - anzuschaffen, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken. Oder wie wäre es gleich mit einem komfortablen Eigenheim, einem überdachten Pool sowie mehreren Urlaubsreisen im Jahr, natürlich all inclusive? Das und noch unzählige Träumereien mehr haben über einen sehr langen Zeitraum meinen Freund beschäftigt. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich Josef, alias Sepp, alias Joschi, Woche für Woche dem vermutlich österreichweit beliebtesten Glücksspiel mit Slogans wie: >ALLES IST MÖGLICH< und >REICHER ALS REICH< hingab. Mit dem bereits verzockten Geld hätte er sich locker einige luxuriöse Urlaubsreisen gönnen können.

Es war ein Sonntag, als morgens, kurz nach sechs, mein Handy aufdringlich läutete. Verschwommen nur sah ich auf dem Display, dass Joschi nach mir verlangte. Ehe ich ihn ernsthaft rügen konnte, mich an einem Sonntag zu nachtschlafener Zeit zu stören, forderte er mich hörbar gut gelaunt auf, ihn am Vormittag aufzusuchen. Alles Weitere wollte er mir persönlich mitteilen, meinte er geheimnisvoll, bevor er die Verbindung unterbrach.

Dass es sich um etwas außerordentlich Wichtiges, Unaufschiebbares und Geheimnisvolles handelte, stand für mich zweifelsfrei fest. Warum sonst sollte er mich an einem Sonn …?

09:30 Uhr: Joschi hatte Kaffee und Kuchen bereitgestellt. Er strahlte übers ganze Gesicht, geradeso, als wäre sein langgehegter Wunsch, seine immer und immer wiederkehrenden Prophezeiungen, irgendwann die richtigen Kreuzchen zu setzen, wahr geworden. Auf der ersten Seite einer alten Zeitung waren sechs Zahlen, zwischen 1 und 45, gekritzelt. Er hat es doch tatsächlich geschafft, dachte ich und wollte ihm gerade gratulieren, als er loslegte:

“Stell dir vor”, begann er euphorisch. “Es war kurz nach Mitternacht, als mir im Traum diese Zahlen erschienen: 1, 3, 16 …”, zelebrierte er alle sechs Zahlen und war felsenfest überzeugt, dass Fortuna ihm einen Lottosechser im Traum beschert hatte. Dann zeigte er mir die Tippbestätigung, online bei win2day. Es handelte sich um einen dreifachen Jackpot, den er so gut wie geknackt hätte, jubilierte er und versprach, mich gebührend am Gewinn zu beteiligen. Ich versuchte erst gar nicht, seine Freude zu trüben und stieß mit einigen Gläschen auf seinen baldigen Reichtum an.

Joschi war über Nacht reich geworden - reich an der Erfahrung, dass Träume manchmal Schäume sind. Immerhin hatte er drei Zahlen richtig geträumt …

© Harald Hartl 2021-11-08

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