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#vertrauen#treue#untreue

Schrecklich kriminell

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Schrecklich kriminell | story.one

Markus ist ein gutaussehender Mittvierziger. Mona, seine um drei Jahre jüngere Ehefrau, lässt so manchen Mann nach dem zweiten noch einen dritten Blick nach ihr riskieren. Bevor sie Markus vor nunmehr über zwanzig Jahren kennen- und liebengelernt hatte, war sie in der Modelbranche äußerst erfolgreich. Fotografen wie auch Veranstalter der Modebranche rissen sich förmlich um die Schönheit mit dem naturblonden, wallenden Haar, die den Männern nicht nur mit ihren langen Beinen und den perfekten Kurven, sondern auch durch ihre unkomplizierte, lockere Art reihenweise den Kopf verdrehte. Heute ist Mona immer noch eine sehr attraktive Frau, die nicht selten in der Männerwelt ein Kopfkino der besonderen Art in Gang setzt. Und genau das weiß auch Markus, der erst in den letzten Jahren seine oftmals quälende Eifersucht einigermaßen in den Griff bekommen hat.

Nach dem Streit am Vorabend lag Markus viele Stunden wach. Dementsprechend müde und schlecht gelaunt schleicht er frühmorgens aus dem Schlafzimmer und verlässt das Haus. Er weiß, dass er Mona gestern wieder einmal unterstellt hatte, während seiner Abwesenheit mit dem neu zugezogenen Nachbarn, der noch dazu Junggeselle ist, geflirtet zu haben. Mona stellte das, wie stets, entschieden in Abrede. Sie beteuert dabei jedesmal, dass sie nur Markus liebe und Untreue für sie niemals eine Option sei.

Markus hat einen festen Entschluss gefasst. Er weiß, dass es nur diese eine Möglichkeit gibt, lädt seine Pistole und macht sich auf den Weg. Glitzernde Schneeflocken tanzen vom Himmel, es ist kalt geworden. Mit hochgezogenem Mantelkragen betritt er gegen 17:30 Uhr das Geschäft. Im Anschluss daran macht er sich auf den Weg nachhause. Er weiß, dass Mona überrascht sein wird. Niemals sonst kommt er während der Dienstzeit nach Hause, ohne ihr vorher Bescheid zu geben.

Leise öffnet Markus die Haustür und hält für einen Moment den Atem an. Männerschuhe stehen im Flur, aus dem Wohnzimmer sind Stimmen zu hören. Schwungvoll betritt er den Raum und …

Nachdem Chris die beiden verlassen hat, fragt Mona ihren Mann, ob er sie kontrollieren wollte. Er beteuert, dass ihm das fern läge. Die beiden freuen sich über den spontanen Besuch ihres Sohnes Chris. Markus verlässt kurz den Raum und kommt mit einem großen Strauß roter Rosen, den er zuvor im Geschäft gekauft und in der Küche abgelegt hatte, zurück. Er entschuldigt sich bei Mona für sein Verhalten vom Vortag und gelobt Besserung. Mona nimmt die Blumen und stellt sie in eine Vase. Danach fällt sie ihm mit den Worten: “Längst vergessen” um den Hals. Sie fragt ihren Mann, wie er handeln würde, wäre sie ihm untreu. Er zuckt mit den Achseln und küsst sie leidenschaftlich. Sie beschließen, heute Abend ihre ganz besondere Liebe zu feiern. Vorerst muss Markus aber nochmals ins Kommissariat, um seine Dienstwaffe in den Waffenschrank zu legen. Er ist ein sehr gewissenhafter und erfolgreicher und immer noch ein wenig eifersüchtiger Kriminalbeamter.

© Harald Hartl 2021-10-06

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