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#jahresende#menschheit#meinegedanken

Wenn das Jahr sich neigt

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Wenn das Jahr sich neigt | story.one

Vielleicht ergeht es nicht nur mir so oder so ähnlich. Wenn die Tage längst um einiges kürzer sind als die Nächte, die Sonnenstrahlen kaum mehr wärmen und hartnäckige Nebelschwaden sich erst, wenn überhaupt, in der zweiten Tageshälfte lichten, spätestens jedoch dann, wenn weihnachtliche Lieder im Radio den Beat ersetzen und auch sich in Kaufgeschäften tummelnde Menschen beschallen, wenn unzählige Lämpchen die fein geschmückten künstlichen Bäumchen in weihnachtlichem Glanz erstrahlen lassen und ungeduldig drängelnde Kunden, die noch schnell ein passendes Weihnachtsgeschenk für ihre Liebsten erhaschen wollen, vor gestressten Kassiererinnen Schlange stehen, ist es, zumindest für mich, höchst an der Zeit, das beinahe abgelaufene Jahr in all seinen Facetten Revue passieren zu lassen: War es ein gutes Jahr? Besser als das vorangegangene? Verging es gefühlt schneller als die anderen Jahre zuvor? Und vor allem, wie wird das neue sein - besser oder womöglich schlechter? Ich denke dann liebevoll an jene Menschen, die völlig überraschend, oder doch absehbar und endlich befreit vom langen Leid, von uns gegangen sind. An den unsäglichen Seelenschmerz der Hinterbliebenen, die kaum oder auch niemals über den Verlust ihres geliebten Menschen hinwegkommen werden. Noch mehr erschüttert mich in dieser >besinnlichen< Zeit am Ende des Jahres, wie Menschen rund um den Globus sich bittergrausam bekämpfen und das dadurch resultierende unfassbare Leid von Vertriebenen. Aber auch fehlende Empathie, Egoismus, Verrohung und Gewaltbereitschaft der Spezies Mensch machen mir in der angeblich >schönsten Zeit des Jahres< mehr und mehr zu schaffen. Über das schreckliche, von Menschenhand verursachte Tierleid und die unaufhaltsamen Auswirkungen des sich rasant veränderten Klimas mache ich mir jedoch nicht nur am Jahresende Gedanken.

Man könnte nun gut und gerne annehmen, all meine Gedanken wären negativ besetzt - mitnichten! In Wahrheit genieße ich die Natur und das wundervolle Leben und bin unendlich dankbar für all das Gute, das mir bislang widerfahren ist. Dass sich alljährlich, am Ende des Jahres, vorangeführte Gedanken bei mir einnisten, betrachte ich im Grunde als großes Geschenk, weil mir dann noch um einiges bewusster wird, dass ein gutes Leben nicht selbstverständlich ist. Die Liebe zur Familie, samt Familienhund, das Bewusstsein, Gesundheit nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen, aber auch die Fähigkeit, die Natur mit all seinen Schönheiten zu sehen und genießen zu können, werden bei mir in diesen Tagen noch um einiges stärker.

Und ganz am Ende des Jahres schicke ich dann, anstatt die Umwelt verpestende Feuerwerkskörper, meine Gedanken, es möge den Menschen und Tieren im kommenden Jahr gutgehen, ins große, weite und unergründliche Universum. Auch, wenn ich, um ehrlich zu sein, keine großen Hoffnungen hege, dass die Menschheit sich zum Guten verändern wird, wünsche ich es mir Jahr für Jahr …

© Harald Hartl 2021-11-25

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