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#salzburglove

Salzburg bildet!

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Salzburg bildet! | story.one

Salzburg ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Stets nehme ich neue EindrĂŒcke und Erlebnisse von dort mit nach Hause. So auch diesen Sommer.

Ich besuchte meine Tochter in Elsbethen. Dort lernte ich Herrn und Frau Lientscher kennen. Hand in Hand gehen Hans und Elfie seit 58 Jahren durchs Leben. Sie lieben ihren Garten mit Blick auf die Salzach. Dort stehen ihre LiegestĂŒhle so dicht beieinander, dass sich die Armlehnen berĂŒhren. Er klappt sie morgens auf, wĂ€hrend sie die bunten Kissen darauf verteilt. Dann legt Hans die Tageszeitung auf Elfies Platz, sie legt ihm seine Gartenschuhe und ein paar Kekse auf dem kleinen Beistelltischchen bereit. Harmonie pur. Doch eines Tages hing der Haussegen schief. Und wie!

Ich war gerade mit dem Hund unterwegs, als ich Ungewöhnliches bemerkte. Elfie stand auf der Terrasse und schaute mit unsagbar traurigen Augen auf die zusammengeklappten LiegestĂŒhle.

Plötzlich zuckte ihr rechter Fuß scheinbar unkontrolliert nach vorne und erteilte dem Stuhl ihres Mannes einen Fußtritt, dass der mit lautem Krachen ĂŒber den Betonboden segelte. Elfie nahm nicht mal den Schmerz in ihrer rechten Zehe wahr, so außer sich war sie. Jetzt gab es fĂŒr mich keine ZurĂŒckhaltung mehr. Ich war mir sicher, dass Elfie jetzt UnterstĂŒtzung von Frau zu Frau brauchte.

Mit offenen Armen ging ich auf die alte Dame zu, um sie mitleidsvoll an meinen ausgeprĂ€gten Busen zu drĂŒcken. Schließlich zitterte sie wie eine WĂŒnschelrute ĂŒber einer Wasserader.

„ErzĂ€hle!“ Ich hob den Liegestuhl vom Boden auf und ließ mich in ihn hineinfallen.

„Hans ist abgehauen!“

„Nein!“

Unter TrĂ€nen erzĂ€hlte sie, dass er einen Zettel mit den Worten hinterlassen habe: „Es ist nie zu spĂ€t fĂŒr VerĂ€nderung. Ich tu es heute!“

Ich habe sehr bewusst die folgenden Worte in meinem Kopf sortiert, ehe ich so diplomatisch wie möglich sagte: „Das klingt, als ob er eine andere hĂ€tte, du Arme!“

Ich hatte mit meiner Bemerkung ein emotionales Terrain betreten, auf dem ich mich besonders gut auskannte. Schließlich habe ich eine große Familie.

„Du meinst ...?“ Ihr Gesicht erinnerte frappant an Munchs Bild:Der Schrei!“

Ich nickte dĂŒster.

„Dann weiß ich nicht, was ich tu!“

Da ich ihr im Moment nicht weiter helfen konnte, machte ich mich auf dem Heimweg, schickte ihr jedoch gedanklich Licht und Liebe. Man weiß schließlich, was sich gehört.

Gerade, als die ZIB 2 begann, lÀutete es. Elfie stand davor und trug ein T-Shirt auf dem NO FUN, NO RISK stand.

„Von Hans“, erklĂ€rte sie und versicherte: „Er hat doch keine andere! Er wollte nur nicht, dass ich mich aufrege, denn er kennt schließlich meine Ängste...und Drachenfliegen wollte er schon lĂ€ngst einmal. Ich tu es ĂŒbrigens auch, demnĂ€chst.“

Meine Tochter mit beredtem Blick: „Mama, die Frau ist zehn Jahre Ă€lter als du. Die will mit ihren 85 Jahren noch vom Gaisberg fliegen, wĂ€hrend du in Hellbrunn schon schlapp machst!“

Ich unterbrach sie ungern, stellte jedoch fest: „ DafĂŒr weiß ich jetzt, warum man Drachenfliegen dazu sagt!"

© Heidrun Siebenhofer 2019-11-05

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