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#verlust#trauer#zwischenmenschliches

Für dich

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Für dich | story.one

Der Birnbaum vor meinem Bürofenster trägt die erste Blüte. Gleichzeitig schneit es wie wild. Mich durchfährt Gänsehaut und eine Erinnerung von damals kommt hoch:

Es ist der 28. Juni 2015, mein Geburtstag. Die Sonne scheint, schwüle Hitze, genau richtig für Ende Juni. Wir genießen den Tag. Sind Richtung Gebirge unterwegs.

30. Juni 2015, ich bin noch immer aufgeladen mit haufenweiser guter Energie nach diesem wundervollen Wochenende. Bin in der Arbeit, da rufst du mich an. Nicht auf meinem Privathandy, sondern am Firmentelefon. Ungewöhnlich. Du sagst, dass du Schmerzen hättest, und ob du noch vorbeikommen könntest. Sie sind ganz akut gekommen.

Ich arbeitete damals bei einem Allgemeinarzt.

Natürlich konntest du noch vorbeikommen. Du warst ein junger, starker Mann, deshalb machte ich mir keine großen Gedanken.

Meine Chefin schickt dich jedoch ins Krankenhaus, da haben sie die nötigen Geräte für weitere Untersuchungen, die wohl wichtig wären. Bin immer noch nicht weiter beunruhigt, du auch nicht.

“Tschüss, bis später. Ich hol dich dann ab. Kannst sicher gleich wieder mit nach Hause."

Nach Hause kamst du nicht mehr.

Es waren wohl die markantesten 7 Tage in meinem bisherigen Leben. Ich besuchte dich täglich. Zunächst war nichts Schlimmes zu erwarten. Einige Untersuchungen und ein paar Tage im Krankenhaus zum “Durchchecken”. Dann am dritten Tag musstest du operiert werden, eine Not-OP. Ok, schön langsam wurden meine Gedanken angespannter, obwohl doch alles dafür sprach, dass du bald wieder nach Hause kommen wirst.

Wir waren ja auch erst ein Jahr hier, in unserem Haus…und du bist ja jung und stark. Gut, die erste OP hast du gut überstanden, die zweite auch, welche 2 Tage später durchgeführt werden musste, aber die dritte war dir dann zu viel.

Am Abend zuvor telefonierten wir, wie wir es jeden Abend machten, auch wenn ich bei dir war am Tag. Du warst kurz angebunden. Ungewöhnlich. Vielleicht warst du schon zu schwach und wolltest mich schützen, damit ich mir keine Sorgen mache? Genau so wie du deine Mutter und auch alle anderen schützen wolltest. Niemand sollte sich Sorgen machen um dich, du wolltest bestimmt, dass dich jeder so in Erinnerung behält wie du warst. Eine Erscheinung, strahlend, stets mit einem herzlichen Lachen im Gesicht. Du kamst in den Raum und die Sonne ging auf, immer.

Du sagtest an diesem Abend nur “Ich hab dich lieb. Bis morgen.”

Das waren die letzten Worte, die ich von dir gehört habe. Und eine SMS “Wir telefonieren morgen wieder.”

Ich fuhr zur Arbeit, hatte Bauchweh. Ich konnte dich nicht erreichen. Im Krankenhaus keine Auskunft.

7. Juli, 09:17

Ein Anruf vom Krankenhaus… Ich versuche gefasst zu sein, es geht nicht. Meine Beine werden schwach. Alles, was Sinn machte und meine Zukunft sein sollte war weg.

Und ich fühle im Herzen, du bist immer noch da. Ich spüre dich. Ich weiß, du schaust auf mich.

Danke dafür.

© insanftenHaenden 2021-04-08

Die Worte meiner SeeleEinen geliebten Menschen verloren

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