skip to main content

#freundschaft#italien#museum

Der General, Luisa und ein Museum

  • 93
Der General, Luisa und ein Museum | story.one

Als Luisa erfuhr, dass wir für länger in Rom leben würden, rief sie mich gleich an: „Du musst unbedingt Marinella besuchen, das ist meine Freundin. Ihr Mann ist General bei der Finanzpolizei in Rom. Die Männer würden sich bestimmt gut verstehen.“

„Aber wie stellst du dir das vor?“, fragte ich. „Ich kann doch nicht einfach bei fremden Menschen anrufen und sie zu einem Treffen überreden.“

„Doch das kannst du, die sind so nett. Weißt du, wir haben Marinella und Antonio in Venedig kennengelernt. Sie ziehen alle paar Jahre innerhalb von Italien um, genauso wie ihr in Deutschland.“

Tatsächlich wechselt mein Mann alle drei Jahre seinen Dienstort, und zwar quer durch Deutschland, immer in eine andere Stadt. Der Kinder wegen und dem von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Schulsystem haben wir uns für eine Wochenendehe entschieden. Und somit pendelt mein Mann seit 18 Jahren.

Mein Mann und ich, wir waren uns einig, dass wir nicht bei uns unbekannten Leuten anrufen und so vergingen die ersten Monate. Dann kam Silvester und Luisa rief mich an. „Wir kommen für ein paar Tage nach Rom. Und dann werdet ihr Marinella und Antonio kennenlernen.“ Sie hatte recht: Wir verstanden uns auf Anhieb ausgezeichnet.

Antonio hatte eine ausgefallene Idee und Jörg stimmte begeistert zu. Neben der Kaserne der Finanzpolizei befindet sich das Museo di Guardia di Finanza. Der General lud die deutschen Soldaten, die in Rom stationiert waren, ins Museum ein. Acht Armeeangehörige und drei Ehefrauen fuhren mit der Metro und kamen zehn Minuten zu spät. Und wer wartete vor der Tür? Der General und seine Frau, der Museumsdirektor und der Dolmetscher. Sie waren erstaunt, dass ausgerechnet die Deutschen unpünktlich ankamen.

Am Samstag, an dem das Museum normalerweise geschlossen ist, erwartete uns eine Privatführung. Der Dolmetscher sprach perfekt deutsch, kein Wunder, er ist in Mainz aufgewachsen. Wir bekamen eine bemerkenswerte Führung durch ein hochinteressantes Museum. Anschließend aßen wir gemeinsam in einem ausgezeichneten Lokal, ein Geheimtipp von Marinella und Antonio. Leider hatten die beiden an diesem Tag keine Zeit mitzukommen, aber wir verabredeten uns für die nächste Woche.

Sie holten uns an der U-Bahn-Station ab und auf dem Weg zum Restaurant, kamen wir an Antonios Kaserne vorbei. Obwohl er in Zivil war, blieben die Soldaten stramm stehen und grüßten. Spontan fragte Antonio uns, ob wir Lust hätten hineinzugehen. Und ob wir Lust hatten. Er zeigte uns daraufhin Räume, die man normalerweise nicht zu sehen bekam, außer man war Politiker oder ein hoher Offizier.

Nach dem Restaurantbesuch, dass wir nicht bezahlen durften, luden sie uns spontan in ihre Wohnung ein. Italiener sind in der Regel dafür bekannt sich in Lokalen und nicht zu Hause zu treffen. Der Nachbar, ebenfalls ein Offizier und seine Frau, folgten gleichermaßen der spontanen Einladung und so verbrachten wir einen gemütlichen Nachmittag bei Marinella und Antonio.

© Irene Hülsermann 2021-04-15

Bella Italia

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.