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#treffeninderkirche#kerzen#lockdown30klappe

Gedrückt

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Gedrückt | story.one

War meine Stimmung am Silvestertag. Das passt so gar nicht zu mir, aber der ganze Wahnsinn des CJahres schien plötzlich auf mich einzustürzen. Hab ich dich noch erwischt, spät aber doch!

So wirklich schwerwiegende Gründe gibt es nicht, es war halt arbeitsmäßig extrem anstrengend, wir hatten mehr als genug zu tun und mussten Ergebnisse liefern, trotz der widrigen Umstände. Tochter zwei vermisse ich, fast ein Jahr lang habe ich sie nicht mehr gesehen. Aber in meinem Umfeld sind alle gesund geblieben, alle haben ihren Job behalten, kleine feine Treffen waren zwischendurch auch möglich.

Die ganze positive innere Haltung, übers Jahr verteilt gut aufrecht erhalten, zerbröselt so um die Mittagszeit.

Die liebevollen Vorbereitungen für den Abend zu zweit zeigen mir auf einmal nur, dass ich Gespräche, Gesellschaft vermisse, dass ich unsere traditionelle fröhliche Abendrunde beim Chinesen in Wien vermisse.

Meine Achtsamkeit, meine CVirus Abstandskonsequenz, meine Vorsichtstesterei, all das scheint mir momentan unnötig übertrieben, weis aber, dass es durchaus richtig ist und ich geh mir selber auf die Nerven mit meinem kindischen Verhalten,

Deshalb hinein ins Auto, auf ins Mürzer Oberland zu meinem Lieblingskraftort, das ist ein imposanter gotischer Dom mitten in einem kleinen Dorf. Strahlender Sonnenschein und knirschender Schnee, prickelnd kalte Luft begleiten mich auf dem Weg durch alte Gemäuer hin zum imposanten Kirchentor.

Drinnen ist es völlig still und ich bin ganz alleine, die Sonnenstrahlen brechen sich in den hohen Spitzbogenfenstern, und sofort ziehen Ruhe und Besinnlichkeit in mein Herz angesichts dieser puren Schönheit. Innerlich ganz leise geh ich zum Seitenaltar, um ein paar Kerzen anzuzünden und ein paar Minuten meditativ zu verweilen. Seidig glänzt der alte Steinboden, abgeschliffen von vielen tausenden Schritten in hunderten von Jahren. Verbannt, in einem dunklen Winkel steht der dreiflügelige gotische Holzaltar, unausweichlich musste er im Barock einer vergoldeten Monströsität Platz machen.

Leichtfüßig und getröstet bin ich wenig später wieder zurück im Haus. Zu Mitternacht beginnt es leicht zu schneien, wir stehen vorm Haus und prosten auf Distanz meiner Mama zu, auf ein gutes Neues!

So ganz im Gleichgewicht bin ich auch die nächsten Tage nicht. Aber die Anforderungen, zwei große Wiener Infrastruktur Projekte mitten im Lockdown gut vorbereitet zu beginnen, helfen den Focus auf anderes als das CVirus und die wiedermal andauernd wechselnden Rahmenbedingungen zu legen.

Nicht ändern kann das meine Fassungslosigkeit über Skilehrer Kurse, mitten im harten Lockdown gibt es anscheinend nichts Wichtigeres, als Menschen aus allen Teilen des Kontinents in Tirol gemeinsam in einer Gruppe zu unterrichten. Einreiseverbote? Zehntägige Quarantäne? Und jetzt ein Cluster! Naivität oder Wurschtigkeit?

© Irene 2021-01-13

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