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#schreiben#entdecken#rĂŒckzugsort

AusZeit

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AusZeit | story.one

Schreiben gleicht Reisen. Vor wie nach der Abfahrt sehe ich mich nicht imstande zu sagen, wohin mich mein Schreiben, die Reise fĂŒhren wird. Schreiben mit offenem Ausgang bedeutet Entdecken, Entziffern, Aufbruch in die Ungewissheit, Offenheit. Schreiben wie Reisen steckt voller Überraschungen.

Ich reise schreibend am liebsten mit der Bahn. Nur zu gern sehe ich durch die Scheibe des fahrenden Zugs Felder und Wiesen an mir vorbeiziehen. Rauschend durchfahre ich die Bahnhöfe, sehe die StĂ€dte kommen und gehen. Das Gewesene lasse ich hinter mir. Meiner Zukunft zugewandt, klappe ich den Bildschirm meines Rechners hoch und tauche ab in eine andere Welt. Ein zweites Ich. Ich spĂŒre Erleichterung, schließlich verweile ich beiMir.

Hatte ich bereits erwĂ€hnt, dass ich ganz besonders das assoziative Schreiben liebe? Ich erinnere mich, auf diese Weise zum ersten Mal im Musikunterricht in der Schule zur Musik von Johannes Brahms meine Gedanken zu Papier gebracht zu haben. Mit der Musik trĂ€ume ich mich in eine andere, ferne Welt. Mit den KlĂ€ngen der Musik wachse ich ĂŒber mich hinaus. Auf diese Art lĂ€sst mich die Welt Dinge zum Leben erwecken, erleben, die in dem Moment fĂŒr mich unerreichbar scheinen.

Diese Momente sind fĂŒr mich ausZeiten, aus der einen Zeit, dem Alltag, hinaus in eine andere, zweite Zeit, abseits der Gewohnheit, ĂŒber die gewöhnlichen Sorgen hinaus. Wandern, lange SpaziergĂ€nge im Wald, an der See oder auch in der Stadt. Das Entdecken und Bergen alltĂ€glicher Schönheit, selbstverstanden, Kino, Theater, Museen, die Staatsoper: RĂŒckzugsort und Refugium. GlĂŒckliche Stunden, glĂŒckliche Momente, ohne die Not einer ErklĂ€rung, beiMir.

© Jens Hanisch 2021-05-24

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