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#newyorkcity

Irish Soul

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Irish Soul | story.one

Nach Hamburg zurückzukehren, ohne im Herzen New Yorks in die Irische Seele geblickt zu haben, war für Johanna und Martin undenkbar. Midtown Manhattan tranken sie sich ab dem späten Nachmittag von einem Pub zum nächsten, bis sie ihr Ziel schließlich abseits in einer Seitenstraße erreichten. Ein Pub mit angekündigter Live-Musik: Irish Traditional, Celtic Music.

Das Lokal war bereits gerammelt voll. Trotzdem quetschten sich die zwei in die Gaststube und ergatterten mit etwas Glück nach einigen Minuten einen Platz an der Theke. Noch spielte die Musik im Hintergrund, auf einer kleinen Bühne standen Lautsprecher, Schlagzeug und Mikrofone bereit.

Ein Bier später stiegen die Musiker auf die Bühne. Das Schlagzeug donnerte los, die Violine setzte fidelnd ein, steigerte das Tempo, Gitarre und Flöte folgten, vervollständigten den Klang des Ensembles und oben drauf setzte sich schließlich der Gesang: Irin und Ire im Duett. Keine Minute später tobte der gesamte Raum, jauchzte die Irische Seele. Die Menge johlte, jubelte, sang und grölte. Es herrschte ein phantastisches Gedrängel. Die Temperatur im Raum stieg an. Martin und Johanna wurden sanft von der Theke weggedrängt und von allen Seiten gestupst und geknufft. Das Bier rann die rauen Kehlen runter. Es schien als würde der Zapfhahn erst gar nicht mehr zugedreht. Die Musiker heizten ihr Publikum an, dass den beiden gar keine andere Möglichkeit blieb, als mitzutanzen. Sie sangen, lagen sich in den Armen und lachten aus ganzem Herzen. Die Stimmung war großartig.

Stunden später verließen sie angetrunken und vollkommen verschwitzt das stickige Lokal. Johanna schüttelte den Kopf. Martins Erwartungen waren weit übertroffen worden. Erschöpft setzten sie sich etwas abseits auf den Bordstein und atmeten die frische Luft tief ein.

„Was war das denn bitte?“, fragte Johanna. „Das war der beste Gig seit langem“, antwortete Martin. „Echt geil.“ „Ja, das war wirklich geil.“

Nach einer Weile standen sie auf. Martin half Johanna hoch. Sie orientierten sich. Schließlich bogen sie links ab und gingen die 5th Avenue bestimmt 15 Blocks Richtung Norden, bis sie schließlich den Central Park erreichten. Von dort waren es nur noch wenige Schritte in ihr Hotel.

© Jens Hanisch 2021-02-13

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