skip to main content

#galway#irland#priester

Gewichtsprobleme beim Take-off

  • 63
Gewichtsprobleme beim Take-off | story.one

Mein Ziel sind die Aran-Inseln in der Bucht von Galway. Hier wird noch Gälisch gesprochen und das interessiert mich. Im Hafen von Galway frage ich mich nach der Fähre durch und erfahre, dass diese gerade unterwegs ist. Bis zur nächsten Abfahrt würde es einige Tage dauern.

Im Zentrum entdecke ich einen unauffälligen Laden, der tägliche Flüge mit Aer Arann zu den drei Inseln anbietet. Der nächste Start ist in wenigen Stunden und ein Platz noch frei. Der Tarif übersteigt um einiges den der Fähre und das Budget eines Studenten sowieso. Nach dem Motto „Jetzt oder nie“ entschließe ich mich für den letzten freien Platz. Der Minibus zum Flugplatz ist inklusive und fährt praktischerweise direkt vorm Laden ab.

Der Flugplatz im Osten der Stadt ist eine von Drahtzaun eingefasste Wiese, die Einfahrt ein Eisentor mit Kette und Vorhängeschloss. Das Terminal besteht aus einem kleinen Container, in dem sich die für den Flugbetrieb notwendigen Gerätschaften befinden. Neben der Funkausrüstung erscheint eine Kartoffelwaage eher ungewöhnlich. Waagen dieser Art kenne ich vom Landhandel für das Abwiegen großer Zentnersäcke.

Ein Flugzeug ist nicht in Sicht, es sei aber gleich da. Der Busfahrer übernimmt nun das Check-In. Die vor Abfahrt des Busses bereits kontrollierten Tickets werden der guten Ordnung halber ein weiteres Mal geprüft. Anschließend werden die Passagiere gebeten, sich auf die Kartoffelwaage zu stellen. Der Mechanismus wird mit Gegengewichten in Balance gebracht und das Gewicht protokolliert.

Beim Blick auf die technischen Daten des Flugzeugs erschließt sich der Sinn dieser Maßnahme. Die seit den Sechzigern gebaute Britten-Norman Islander verfügt einschließlich Pilot über zehn Sitze und eine Tragfähigkeit von 1000 Kilo. Bei einem Durchschnittsgewicht von 75 Kilo, einigen Kilo an Kleidung und Handgepäck sowie dem hinten verstauten Reisegepäck und eventueller Fracht sind 100 Kilo pro Person schnell erreicht.

Wäre da nicht der Inselpfarrer, der das doppelte Normgewicht auf die Waage bringen dürfte. Anscheinend ist eine Kartoffelwaage für diese Dimensionen nicht gebaut worden, denn es mangelt allein schon an ausreichenden Kompensationsgewichten, die dem Gewicht des Pfarrers entgegenstehen. Pilot und Busfahrer überlegen, was zu tun ist, und sicher auch, wie der Pfarrer über die nach vorn geklappten Rücklehnen durch den nicht vorhandenen Mittelgang seinen Platz finden soll.

Schließlich müssen einige Frachtkartons am Boden bleiben und werden bei nächster Gelegenheit nachgeliefert. Der Pfarrer wird rechts neben dem Piloten platziert und sichergestellt, dass alle Instrumentenschalter und speziell der Steuerknüppel während des Fluges jederzeit zugänglich bleiben. Zum Glück erweist sich die Maschine in der Luft nicht als kopflastig, und auch die Landepiste in Inishmore ist trotz erhöhter Schwungmasse lang genug.

Foto: Ireland's Content Pool / Tourism Ireland

© Jökull 2021-02-23

Reif für die Insel

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.