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#schmerzen#dramatisch#melodramatisch

Ich blute, ich blute

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Ich blute, ich blute | story.one

Draußen scheint die Sonne. Ich höre aus dem offenen Fenster Gelächter, Musik. Leute genießen das Wetter, genießen das Leben, gehen raus, haben Spaß.

Ich liege verkrampft im Bett. Mir kommt es so vor, als hätte ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gelacht und versuche, nicht an die Schmerzen zu denken – erfolglos. Wie lange blute ich schon? Wie lange werde ich noch bluten müssen, bis es endlich vorbei ist?

Blass und verschwitzt sehe ich hinauf zur Decke und frage mich, ob es vielleicht doch noch ein Leben danach gibt. Ein Leben danach, das uns die Schmerzen nehmen würde, ein Leben danach, in dem man mit Würde existieren dürfte. Ich reflektiere meine Taten, ich reflektiere den Sinn dieses grausamen Lebens und schließe die Augen. Die Schmerzen werden intensiver und ich stöhne auf.

Wie viel Blut konnte ein Mensch noch gleich verlieren? Ich weiß es gerade nicht, kann nicht klar denken, doch glaube, dass es bald vorbei sein müsste.

Ich blute

Ich blute

Oh Gott

Ich blute

Aus meiner scheiß Vagina.

Ich wiederhole: Ich. Blute. Aus. Meiner. Scheiß. Vagina.

Wer hat sich diese Scheiße nur ausgedacht? Mein Unterbauch pocht so, als ob der Antichrist persönlich dagegen hämmern würde und keine Schmerztablette scheint zu helfen. Ich liege hier schon seit Ewigkeiten rum, gucke – passend zum Thema – Rosemary’s Baby, ohne mich jedoch ablenken zu können und verfluche alles, da ich genau weiß, dass ich im kommenden Monat wieder dasselbe Problem haben werde. Während düstere Gedanken alles in meinem Kopf zu konsumieren scheinen, öffnet sich die Tür des Schlafzimmers. Meine Freundin tritt mit gesenktem Kopf ein.

„Liebling“, flüstert sie zärtlich, doch ich kann nicht antworten. Hölle, ich kann mich durch den ganzen Blutverlust nicht einmal mehr richtig artikulieren! Doch was ich kann, ist riechen. Sie hat eine Opfergabe mitgebracht, die in all dem Horror deutlich vor mir zu strahlen scheint.

„Ist das …?“

Da mein Wille plötzlich stärker als mein Körper ist, rapple ich mich geschwächt auf, um es an mich zu nehmen: ein Muffin! Ohne Worte sehe ich sie einfach nur dankbar an und küsse schließlich den fluffigen Teig. Der Antichrist in meinem Bauch scheint mit der Opfergabe vorerst zufrieden zu sein.

© Jules-Stefan 2021-07-22

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