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#eigenartig

Blackout

  • 202
Blackout | story.one

Es nieselte, feuchte Luft wehte mir um die Nase. Ich steuerte zielsicher eines meiner Lieblingslokale im Zentrum der Stadt an. Dort wĂŒrde es gleich warm und gemĂŒtlich sein.

Ich entschied mich fĂŒr eine wĂŒrzige Suppe. Als Hauptgang gab es Garnelen mit GemĂŒse und Reis. Nach meiner schmackhaften Mahlzeit war mir bedeutend wohler. Blieb noch ein wenig sitzen. Machte einige Tagebuch-Eintragungen und fĂŒhlte mich gut.

Gedankenverloren zog ich meine Jacke an. Verabschiedete mich freundlich von einer Kellnerin. Sie war nicht ganz da. Erwiderte meinen Gruß nicht, rief etwas zu einem Kollegen.

Ich ging vier oder fĂŒnf Schritte Richtung Ausgang. Plötzlich ĂŒberkam es mich siedend heiß: Ich habe vergessen zu bezahlen.

Das war schon Teil einer GedankenĂŒbertragung. Ich drehte mich blitzschnell am Absatz um. Drei Schritte vor mir eine aufgeregte Kellnerin.

Ich bezahlte meine Rechnung. Entschuldigte mich fĂŒr meine Gedankenlosigkeit, ging wieder zum Ausgang.

Da brauste ein Gedanke in mir auf: "Mensch du bist doch ein ..." Ich dachte den Gedanken nicht zu Ende. Wechselte in die Beobachterrolle.

Bedankte mich dafĂŒr, dass die Situation mich voll ins Jetzt zurĂŒckgeholt hatte. Betrachtete mich selbst mit liebevoller Achtsamkeit. Ließ alte Emotionen, die frĂŒher in solchen Augenblicken aufgetaucht waren und sich jetzt wieder meldeten, langsam ausklingen. Alles ist gut, sagte ich halblaut und ĂŒberzeugend zu mir selbst.

Ich trat ins Freie. Das Wetter hatte sich gewandelt. Zwischen den Wolken lugte die Sonne hervor. Es war noch kĂŒhl. Doch ich entschloss mich, in den nahegelegenen Park zu gehen. Atmete die frische Luft, ließ die krĂ€ftigen BĂ€ume auf mich wirken. Die Sonne flĂŒsterte mir lĂ€chelnd zu: "Du bist okay."

© Karl Ebinger 2020-02-01

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