skip to main content

#menschenliebe

Der erste Tanz

  • 153
Der erste Tanz | story.one

Gestern war ein besonderer Tag - der 18. April 2020. Vor 28 Jahren ging unsere Tochter Lydia im Alter von 4 Monaten in die geistige Welt. Ihr Herz hatte zu schlagen aufgehört. Ich war nicht ganz unvorbereitet, denn unsere Tochter musste mit einer Sonde ernĂ€hrt werden, doch die EntgĂŒltigkeit der Nachricht von ihrem Übergang traf uns als Eltern mit voller Wucht.

Ich hatte einige Jahre eine nahezu symbiotische Beziehung zu Lydia, habe oft an sie gedacht und ihr alles GlĂŒck der Welt gewĂŒnscht und ihr liebevolle Energie gesandt. Mit der Zeit wurde die Verbindung loser. Als meine Frau Elvira vor drei Jahren durch einen Schlaganfall ĂŒberraschend aus dem Leben schied, wurde mein Bezug zur geistigen Welt wieder direkter und intensiver. Ich habe auch den Weg ĂŒber mehrere mediale Personen gewĂ€hlt, um die Verbindung lebendiger zu gestalten.

Die Erfahrungen, die ich dabei machte, haben mich in der Annahme bestĂ€rkt, dass es keine wirkliche Grenze zwischen hier und dort gibt. Das Sichtbare und das Unsichtbare bilden eine Einheit. Was die Grenze schafft, sind meine Konzepte und Vorstellungen ĂŒber das, was "RealitĂ€t" ist. Mit dem Herzen und mit meinem Geist bin ich nicht an das dreidimensionale Zeit-Raum-Kontinuum gebunden.

Ich möchte jedoch nicht zu philosophisch werden. Was ich fĂŒr mich mitgenommen habe, ist die Gewissheit, jederzeit spirituell kommunizieren zu können, wenn es mir ein echtes Herzensanliegen ist. Das funktioniert ĂŒbrigens auch in der physischen Welt. Mir passiert es recht hĂ€ufig, dass ich an einen Menschen denke. Kurz darauf lĂ€utet das Telefon und die betreffende Person ist am anderen Ende der Leitung.

Ich erzĂ€hle das deswegen so genau, weil ich ein Erlebnis mit meiner Tochter Lydia real vermitteln möchte. Ich habe gestern in der FrĂŒh eine Kerze fĂŒr sie angezĂŒndet und eine zierlich-anmutige Tulpe aus unserem Garten geholt. Ich habe liebevoll an Lydia gedacht. Plötzlich kam mir ein Gedanke, eine Inspiration, wie ich ihr eine Freude machen könnte.

Ich ging in mein Musikzimmer, startete das Lied "The Greatest Love Of All" und lud meine Tochter dazu ein, mit mir einen langsamen Walzer zu tanzen. Was ich dabei innerlich empfand und wie real sich alles anfĂŒhlte, lĂ€sst sich mit Worten kaum beschreiben. Es war mein erster Tanz mit Lydia in dieser Art.

© Karl Ebinger 2020-04-19

menschenliebe

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.