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#weihnachten#harfe

Die Harfenspielerin in Wien

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Die Harfenspielerin in Wien | story.one

Vorweihnachtliches Wien. Ich flaniere durch die Gassen, gehe mit einer lieben Bekannten die Wollzeile entlang. Manche Auslage lässt uns innehalten. Ein Schaufenster ist besonders liebevoll und detailreich gestaltet. Da hängen originelle Kinderkleider an der Wand, davor ein langgestrecktes Tischlein, mit reich gedeckter Tafel. Rundherum haben herzige Stoffpuppen und Kuscheltiere Platz genommen, die Kinderherzen höher schlagen lassen und auch Junggebliebene berühren. In der rechten Ecke leuchtet ein festlich geschmückter Christbaum.

Wir gehen weiter Richtung Stephansdom. Auf der linken Seite der Wollzeile fällt uns ein neues Geschäftsportal auf. Es ist noch nicht zu erkennen, wer dort einziehen wird.

Wir bleiben stehen. Obwohl wir beide diese Gasse recht gut kennen rätseln wir: Was war früher an dieser Stelle? Wir finden keine Antwort. Ich erinnere mich dunkel, dass dort früher eine Wirtschaftsbuchhandlung war - aber das war eine Geschäftsgeneration davor.

Gegen Ende der Wollzeile gibt es eine Teehandlung mit exquisiten, aromatischen Teesorten. Dort befinden sich zwei Durchgänge, die direkt zum Stephansplatz führen.

Wir nähern uns dem ersten Durchgang. Ein Torflügel ist geöffnet. Der zweite Torflügel ist geschlossen und bildet eine windgeschützte Nische. Von dort dringen zarte Harfenklänge an mein Ohr. Ich sehe eine Frau mittleren Alters. Sie sitzt auf einem Sessel und spielt auf ihrem Instrument.

Ich gebe ihr eine kleine Musikspende. Meine Begleiterin jedoch tritt näher. Die Künstlerin hat vier eigene CDs ausgestellt. Um die Auswahl zu erleichtern, spielt sie kleine Auszüge aus dem jeweiligen Tonträger. Meine Bekannte entscheidet sich nach längerem Gustieren für Musik mit irischem Klang. Die Harfenspielerin nimmt freudig einen Geldschein entgegen, der ihre Tageslosung für heute aufbessert.

Während wir bei der Musikerin verweilen, bleibt links hinter uns ein älterer Herr stehen. Auch er lauscht den zarten Klängen und ist berührt. Ich drehe mich leicht zu ihm, erkenne ihn. Es ist ein bekannter Schauspieler, der in der Josefstadt gespielt hat. Ich werde die Szene im Torbogen nie vergessen: Eine Harfenspielerin mit ihrer feinsinnigen Musik, der aufmerksam zuhörende Mime, meine Begleiterin und ich, weihnachtlich gestimmt. Für Momente wie diesen liebe ich Wien.

Foto Sergio Capuzzimati / Unsplash

© Karl Ebinger 2020-12-11

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