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#traum#angst#kind

Alptraum vs. Realität?

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Alptraum vs. Realität? | story.one

Ich komme von der Arbeit heim. Ein anstrengender Tag liegt hinter mir. Ich freue mich auf meinen Cafe am Balkon und diese halbe Stunde, die nur mir gehört. Heimkommen und abschalten.

Mit der schweren Einkaufstasche schleppe ich mich vom Keller die Stiegen hinauf zu meiner Wohnung. Oben angekommen, verschnaufe ich erstmal. Ich sollte vielleicht doch etwas mehr Sport machen. Wieder bei Atem bemerke ich erst dieses enorme Chaos am Boden vor meinen Füßen. Wo kommt dieser riesige Kleiderhaufen her?! Und wieso liegt er direkt vor der Wohnungstür? Wem gehören die vielen Schuhe? Der Weg zur Tür ist versperrt. Irgendetwas stinkt hier gewaltig! Und ich meine nicht die großen, prall gefüllten Müllsäcke, die ich grade inmitten dieses Haufens entdecke!

Ich höre ein leises Wimmern hinter der Tür. Marcel! Panik überkommt mich. Mein Sohn ist da drin! Ich lasse den Einkauf fallen und versuche, mir einen Weg zur Tür frei zu räumen. Die schweren Müllsäcke ziehe ich zur Seite, die Kleidungsstücke schmeiße ich hinter mir die Stufen hinunter. Mit den Füßen schiebe ich die Schuhe weg. Wieso wird dieser Haufen nicht kleiner?! Es dauert eine Ewigkeit, bis die Tür endlich frei ist. Während ich die Schnalle nach unten drücke, rufe ich schon nach meinem Sohn. Und nur eine Sekunde später stockt mir der Atem! Vor mir in der Küche steht Marcel mit gebeugtem Rücken - die pure Angst im Gesicht - und versucht sich zu wehren: gegen den Mann, der hinter ihm steht.

Ein riesiger Unbekannter steht in meiner Küche und schlingt seine Arme von hinten um meinen Sohn, hält ihn fest, sehr fest. Seine dicken Unterarme pressen sich an Marcel's Rippenbogen, die schmutzigen Finger krallen sich in den kleinen Brustkorb. Ich bin starr - starr vor Angst. Die Kapuze der Jacke verdeckt das Gesicht des Mannes. Er lässt nicht locker, obgleich ich wenige Zentimeter von den beiden entfernt stehe. Es wirkt, als hätten beide mich gar nicht bemerkt. Sekunden vergehen, bis ich handeln kann - ich schreie! Nein, ich quieke! Entsetzlich schrill, unendlich lange und so laut, dass es mir in meinen Ohren weh tut.

Ich wache auf. Schweißgebadet liege ich in meinem Bett. Wachgeworden durch mein panisches Quieken. Es war nur ein Traum.

Am nächsten Nachmittag ruft Marcel mich im Büro an. "Mama, mir tun die Hände so weh." Ich vertröste ihn damit, dass ich mir das ansehen werde, wenn ich heimkomme. "Wahrscheinlich hast du nur einen Muskelkater vom Turnunterricht," beruhige ich ihn.

Als er mir abends dann die Stelle zeigt, wo es ihm weh tut, lässt mich ein eiskalter Schauer, der durch meinen ganzen Körper strömt, erstarren. Seitlich, am Rippenbogen, links und rechts, tut es ihm weh. Und vorne, am Brustbein. Turnen fiel heute aus, der Lehrer war krank.

© Katharina Tröstl 2019-06-17

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