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#fremdewelten#aufstieg#unbeschwertesreisen

Chartres à tout jamais

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Chartres à tout jamais | story.one

Mein erster Versuch im Jahr 1992 nach Frankreich zu reisen scheiterte. Ich war achtzehn, mit einem Schulfreund und dem InterRail-Ticket unterwegs.

Für uns Berliner lag es am nächsten Deutschland in Richtung Osten gen Warschau zu verlassen, um eine Rundreise über die Tschechische Republik nach Wien und dann nach Italien anzutreten. Durch die Schweiz sollte unser Weg nach Frankreich und dann schnurstracks nach Berlin zurückführen. Jedoch die französischen Eisenbahner streikten. So blieben wir in der Schweiz und reisten von dort heimwärts. Die Ausbildung in einer Bank wartete auf uns beide.

Mein Besuch 2009 in Paris war für mein Leben von einschneidender Bedeutung. In seiner Folge wurde aus einer Bankerin hinter dem Schalter eine Begleiterin für andere Menschen, als Heilpraktikerin und Coach.

Im Jahr 2013 sollte es nun also nach Chartres gehen. Die Kathedrale hatte es mir und meinem Begleiter angetan. Statt mit der Bahn fuhren wir mit dem Auto. Was uns empfing, war grandios: ein imponierender wehrhafter Anblick von außen, ein Rausch von Farben und Formen innen.

In Begleitung eines Kundigen erforschten wir zahlreiche Winkel der Kathedrale. Wir durchschritten das Labyrinth auf dem Boden des Kirchenschiffes und erfuhren, dass es die Reise nach Jerusalem abbildet. Wer nicht bis dahin reisen konnte, unternahm seine Pilgerfahrt halt in heimischen Gefilden.

Morgens fand sich unsere Gruppe zur Gymnastik nach Graf Bothmer ein. Wir schritten aufrechten Körpers und Hauptes dahin, gleichsam in Respekt zu uns und dem, was die Kathedralen des Mittelalters wollten: Eine Aufrichtung des Menschen in Hinwendung an Gott und die geistigen Kräfte. Später begegnete mir ein Teil dieser Gymnastik als Vorfußgang wieder, aufrichtend und erhebend.

Niemand weiß genau, was dieses hohe Streben und die Bautätigkeit so plötzlich zum Erliegen brachte. Neun Türme waren geplant, zwei sind es geworden. Es scheint noch immer so, als würde morgen weitergebaut. War es die Vernichtung der Templer? Brach mit ihrer Vernichtung die Basis für die Finanzierung des Baus und der Bauleitung zusammen?

Wir jedenfalls erlagen hoher geistiger Kost und bester französischer Küche und bedauerten das, für unser Empfinden, ganz plötzliche Ende unserer Reise. Wir haben nur einen Bruchteil von dem erforscht, was es zu sehen gäbe und hoffen auf einen weiteren Besuch.

© Kathrin Schink 2020-11-07

fremdeweltenReisen

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