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#handwerk#flachland#dorfleben

Einstieg mit Ausblick

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Einstieg mit Ausblick | story.one

Sie stehen auf einer kleinen Erhebung. Das Land ist hier flach. Der Satz: „Guk dok an mondach mol, wea sonndach to middach kümmt!“, ist hier ein Dauerscherz. Vor ihnen liegen kleine Felder, dazwischen Wäldchen. Zahlreiche verschiedene Gebäude sind zu sehen. Einige sind alte Bauernhäuser, klassisch mit Holzständerwerk und Lehmziegeln. Dazwischen stehen Holzhäuser neuerer Bauart. Bauwägen und Tinyhouses haben hier ihren Platz in Laufweite von Ziegelhäusern, wie sie hier im Norden üblich sind.

„Do rennt de Fiete alweer!“, der Blick folgt der ausgestreckten Hand. Laut lachend und rufend trabt eine Kindergruppe um ein großes flaches Haus herum und verschwindet unter den ausladenden Kronen eines Walnusshaines. Alle Zuwegungen sind geschwungen und mäandern durch das Dorf. Die Kinder spielen hier ungestört und ungefährdet vom Autoverkehr. Es gibt ein reges Miteinander von Menschen jeden Alters. Stille und Rückzug sind gleichsam möglich.

Rhythmisch schallen Hammerschläge herüber vom Dorfrand. Metall trifft auf Metall. Gleich eines Glockenklanges trägt der Wind die Kunde weiter, dass hier noch von Hand geschmiedet wird. Da braucht es kein Werbeschild. Was hier im Dorf gebraucht wird, kann vor Ort hergestellt werden. Sogar der Gedanke, dass sich neben der Schmiede der Gasthof befindet, wurde umgesetzt. Gerade sehen sie, wie zwei Gesellen Zaunteile verladen. In einem anderen Teil des Dorfes sollen sie verbaut werden. Mit einer Erreichbarkeit von 30 Fahrminuten gehören weitere Ansiedlungen zum Dorf und die Bewohner verstehen sich als Gemeinschaft. Praktisch durch den Hinterausgang rollt das Fahrzeug seinem Ziel entgegen.

„Kiekmol, de jung vonne Hannsens. Wat issa lang worn!“ Wer hierher zur Ausbildung kommt, weiß meist, was ihn erwartet. Die Schmiede ist, wie alle Werkstätten hier, Teil des Lernkonzeptes und nur wer als Kind Spaß daran gefunden hat, kommt zur Lehre wieder.

Wohnen und Arbeiten sind hier allemal miteinander vereinbar. Die verschiedensten Gewerke haben sich angesiedelt. Wer sich Schuhe selbst herstellen möchte, kann dies in den Seminaren an der Akademie erlernen. Ein simpler Kauf beim örtlichen Schuhmacher ist natürlich auch möglich. Dort werden sie auch gern repariert. Für Menschen in medizinischen Berufen und deren Besucher gibt es ein Heilhaus, das mit freundlichen Farben inmitten eines Waldgartens steht: “Schau, alle Fenster und Türen sind geöffnet. Heute kannst du mit den Bäumen flüstern. Was raunt die Birke dir zu?”

„Oma, Ooooma!“, ruft es da plötzlich laut. Von hinten haben sie sich angeschlichen. Jungen und Mädchen wogen plötzlich, einer Welle gleich, an sie heran. Sie verteilen sich um sie, wie Wasser zwischen den Findlingen hindurchspült.

Dann sitzen alle, zwei auf einer Bank, die anderen im Halbkreis, um sie herum: „Oma, erzähl! – Oder lass den Olschen erzählen!“ Erwartungsvolle Augen schauen sie an.

© Kathrin Schink 2022-01-16

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