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#geborgenheit#lebenskunst#handwerken

Goldene Hände

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Goldene Hände | story.one

Jahre der Freundschaft verbinden sie miteinander. Am Anfang betrachtete er sie wohl wie eine Tochter, obwohl sie deutlich älter war als die eigene.

Als Handwerker, Ptha dem ägyptischen Gott gleichend, der diese schützt, kann er praktisch alles reparieren und neu bauen. Auf Wunsch baut er für sie Regale an jede verfügbare Wand, damit die unzähligen Bücher und Kunstutensilien Platz finden. Sonst wäre kaum noch ein Pfad durch den Dschungel des Wissens zu bahnen. Leckt der Wasserhahn, sorgt er für Trockenheit. Im Bad entsteht angewandte Kreativität für den Alltag. Da keine Löcher in die Fliesen gebohrt werden dürfen, fertigt er kunstvolle Auflegeborde aus Holz, die zugleich Halt für Haken bieten.

Die Jahre vergehen und für beide ändert sich die berufliche Situation. Sie gibt sich ganz der Kunst und Organisation hin. Den bürgerlichen Beruf hängt sie an den Nagel, wendet sich geistig spirituellen Themen zu. Er wird zum modernen Kutscher und handwerkt nurmehr privat, baut ein Haus und repariert weiterhin ihre defekten Haushaltsbestandteile. In ihm entsteht der Wunsch, mit Menschen zu arbeiten. Statt Menschen von A nach B zu befördern, will er ihre Gesundheit befördern. Herzlich, groß, kräftig und Sicherheit vermittelnd ist er bestens ausgestattet, um Menschen mittels Massagen beim Entspannen zu helfen.

Mal wieder gilt es ein Bücherregal zu bauen. Es ist kurz vor Weihnachten. Neben kleinen Hilfsarbeiten zaubert sie in der Küche ein Drei-Gänge-Menü für sie beide, denn gutes Essen hält Leib und Seele zusammen. Um unter der Decke nicht schwitzend zu zerfließen, stellt er die Heizung auf null. Nach getaner Arbeit und einem köstlichen Mahl verlassen beide die Wohnung. Sie fährt zu einem zweitägigen Kongress, er fährt durch die winterliche Stadt nach Hause.

Die Heimkehr gestaltet sich frostig. Die Innenluft hat sich mangels Wärmezufuhr der Außentemperatur angepasst. Der Atem entweicht sichtbar bei dieser Erkenntnis. Ventil auf, Teekessel an und ab unter die Decke ist die Strategie. Die Nachricht erreicht ihn am Folgetag und nach den Weihnachtstagen bringt ein fürsorglicher Bote programmierbare Thermostate mit und diese auch gleich an.

Dankbar denkt sie an ihn, wenn sie seine Werke in ihrer Wohnung sieht. Wohlwollend heiter lacht er, wenn er von ihrem neuesten Projekt erfährt. Natürlich wird er die Leisten zuschneiden, Löcher in die Wände bohren und große Rahmen hängen helfen. Klar wird er in der ersten Reihe sitzen, wenn es einen Vortrag oder Empfang gibt. Liebevoll nimmt er dann die Hand seiner Ehefrau und sie schauen stolz nach vorn, wo sie in leuchtend rotem Kleid mit einer Blume im Haar steht und die Umstehenden mit Worten berauscht.

© Kathrin Schink 2021-04-25

Beste Freunde Geschichten

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