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#handschrift#familienwahnsinn#unbeschwertesreisen

Gute Geschäfte

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Gute Geschäfte | story.one

Ich sitze.

Heiter und entspannt lasse ich an diesem Julimorgen 2020 den Dingen ihren Lauf und ihren Abgang. Verschiedene Gedanken ziehen wolkengleich vorbei, ohne sich festzusetzen. Von außen dringt mildes Sonnenlicht herein.

Es spricht neben mir: „Ich müsste da mal.“ In diesem Moment realisiere ich: Diese Tür hat Fenster. - Huch …

Diesen Ort sofort zu verlassen wäre mit Unannehmlichkeiten verbunden. Sehr ungern putze ich unter Beobachtung. So informiere ich: „Ich bin gleich fertig.“ Meine Hoffnung, der Fensterrahmen wäre dann wieder ohne Porträt, erfüllt sich nicht. Fieberhaft überlege ich, wie ich diese Situation elegant auflösen könnte. Der Suchassistent meines Gehirns schaut in sämtliche Ablagen, um eine Analogie zu finden.

Plötzlich lache ich lauthals los. „Was lachst du?“ - Mein Kopfkino ist angesprungen:

Ein junger Hamburger in Leningrad, UdSSR, 1969. Nach dem Genuss der heimischen Küche und zahlreicher Getränke sucht er den Weg zu den Toiletten. Er folgt zwei Einheimischen, die auf demselben Wege sind. Als er die Schwingtür durchschreitet, sind die beiden bereits in intensiven Verhandlungen.

Einer von ihnen sitzt, drückt und redet mit Höchstgeschwindigkeit. Der andere, lehnt mit Blickkontakt zu seinem Gesprächspartner, entspannt an der Trennwand und lauscht interessiert. Türen gibt es nirgendwo.

Der Lauscher nutzt die Rinne im Stehen. Der Sitzer putzt. Ablauf und Abgang waren erfolgreich. Der Standhafte ist nun fertig, hat seine Hose geschlossen und streckt die Hand aus. Der Andere schlägt ein. Zufriedenheit erstrahlt auf beiden Gesichtern.

***

Inzwischen weiß ich, dank des gleichmäßigen Redestromes von jenseits der Tür, dass der Ort, an dem ich sitze, einst die Küche war und deshalb Fenster in der Türe sind. Ich mache mit bewusst, dass der Strom der Worte nicht von allein versiegen wird. So putze ich meinerseits nun doch. „Du kannst jetzt aufs Klo.“, teile ich mit und gleite halbbekleidet an meiner Monologpartnerin vorbei. Diese hat es nun ihrerseits eilig meinen Platz einzunehmen.

„Du brauchst nur für dich ein Ei zu kochen. Wir stehen erst gegen 10 Uhr auf. Da liegt ein Apfel auf dem Tisch.“ ruft sie mir nach.

‘Ein Appel und ein Ei also.’ denke ich. ‘Die besten Geschäfte werden eben doch am Örtchen gemacht.’

© Kathrin Schink 2020-08-31

lebensmitteplus

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