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In der Wirtschaft

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In der Wirtschaft | story.one

„Das waren noch Zeiten! Als wir nach Stiftungsmarketing gefragt wurden, obwohl wir weder Stifte kaufen noch verkaufen wollten,“ die Oma zwinkert der Gruppe junger Leute zu. Einer von ihnen hat ein Buch aus dem Regal in der Bibliothek der „Alten Schule“ gezogen. Sie stecken die Köpfe zusammen und jemand liest vor: „Unter dem Begriff ‘Marketing’ sind Strategien und Unternehmensaktivitäten zusammengefasst. Sie haben das Ziel, eine Marke, ein Produkt oder eine Dienstleistung für die geplanten Absatzmärkte interessant zu machen.“ Die Zuhörer tuscheln angeregt. Sie überlegen, wie wohl die deutsche Übersetzung dieses englischen Wortes lauten müsste: „Vermarktung vielleicht?“, rätselt ein wuschelköpfiges Wesen. So richtig zufrieden sind sie damit nicht. Die Vorleserin fährt fort: „Dies sind unter anderem Maßnahmen zur Markenbildung, Zielgruppenanalyse, Preismanagement und Werbung. Die Produktionsabteilung in einem Unternehmen ist für die Herstellung des eigentlichen Produkts verantwortlich. Das Marketing beinhaltet alle Maßnahmen, die durchgeführt werden, um Kunden das Produkt sichtbar zu machen und sie zum Kauf zu überreden.“

Inzwischen ist Jost in die Bibliothek getreten. Er begleitet die jungen Leute durch das Sachgebiet Wirtschaft. In der „Alten Schule“ können Kinder und Jugendliche selbstbestimmt lernen. Es gibt einen Rahmen dessen, was unerlässlich ist, um die Schulabschlüsse zu erreichen, die sie für Ausbildungen oder Studiengänge außerhalb des gesundbronnenDORFes brauchen. Die anderen Fach– und Sachgebiete wählen sie nach Wünschen und Fähigkeiten und wählen ihre Begleiter.

„Versucht, euch den Inhalt an etwas Bekanntem zu erschließen. „Was wird im Dorf hergestellt?“, Jost guckt von einem zum anderen. „Zäune, Geländer, Schuhe, Kleider, Seife!“, purzeln die Worte aus ihnen heraus. „Sucht euch eins aus!“, schmunzelt Jost und vertieft sich dann mit ihnen in die Erarbeitung der Inhalte.

Oma hat den Ablauf mit tiefster Zufriedenheit verfolgt. Bei der Suche nach einem Pflanzenbuch läuft die Erinnerungsschleife: Natürlich hat die Stiftung kein Produkt hergestellt und verkauft, oder eigentlich doch. Das gesundbronnenDorf kann durchaus als solches betrachtet werden. Es sollte sozusagen zur Marke entwickelt werden. Oma kichert leise. Die ganzen Begriffe hat sie auch 2035 noch drauf. Klar haben sie vor 20 Jahren praktisch eine Zielgruppenanalyse gemacht. Schließlich war es essentiell für wen die Infrastruktur des Dorfes passen soll. „Preismanagement“ – ja, immer wieder die Frage „Wat krichtse un wat kostse?“. Dabei war das Projekt so vielschichtig und entwickelte sich in kleinen Schritten. Zielgruppengerechte Werbung war unerlässlich. Heute genügt Mund-zu-Mund-Propaganda. Huch, schon ist sie wieder mittendrin, im Business, mit ihren 71 Jahren. Mit dem Pflanzenbuch unterm Arm trabt sie Richtung Sonnenschein.

© Kathrin Schink 2022-02-23

Alles Schule oder was

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