skip to main content

#fliesen#hexe#planen

K9S2 Fata morgana

  • 52
K9S2 Fata morgana | story.one

Oma steht in der Küche und kocht. Sie liebt das. Es denkt sich so kreativ dabei. Immer wieder erfreut sie sich an der Küchenhexe. Die erste hatte sie in der K9S2. So nennen sie das Haus, das sie damals dem Verein abkauften.

Die Erinnerung springt 14 Jahre zurück auf 2021: Zweihunderzweiundzwanzig oder einhundertzwei ist die Frage. Ihr Blick geht von einer Fliesenkiste zur anderen. 15 mal 15 oder 20 mal 25 – die Fläche von 15 Quadratmeter soll letztlich bedeckt sein. “Quadrat oder Rechteck?" hilft ihr vielleicht bei der Entscheidung. Von den Quadratischen gibt es grüne im 70iger Jahr-Look und beigefarbene. Rechteckige gibt es in leicht rosa Marmoroptik, hochglänzend und in weißer Farbe matt. Keine Sorte Fliesen würde ausreichen, um die gesamte Fläche zu bedecken. Sie wurden mit dem Gebäudeensemble gekauft.

Sie legt eine Ansichtsprobe aus. Sechzehn rechteckige rosa marmorierte längs, drei Reihen übereinander ergeben ein eindrucksvolles Bild. Für die mittelgroße Fläche sechs nebeneinander drei Reihen übereinander in Weiß erfreuen die Betrachterin ebenfalls. Die kleinste Fläche wäre noch auszustatten: vier weiße, eingefasst von vier marmorierten Fliesen, wäre eine Möglichkeit. Es reicht noch für ein einheitliches Bild, also zwölf Marmorierte.

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz: Passen die Verfügbaren oder ist ein Neuerwerb breiterer erforderlich? Sorgfältig prüft und schiebt sie. Die vorhandenen Kreuze genügen. Auf Händen werden achtzehn weiße Fliesen getragen und am Bestimmungort abgelegt. Oberhalb des künftigen Spiegels schimmert schon die frisch geweißte Wand. Wie eine Luftspiegelung in der Wüste erahnt sie das Bild des Herzens dieser Behausung.

Nährendes wird hier entstehen. Gemütlich wird sie sein. Zum Sitzen, Verweilen und Plaudern wird sie einladen. Nur noch Fliesen kleben, den Fußboden herrichten und einräumen, dann strahlt die Gemeinschaftsküche in neuem Glanz.

Die Dinge entwickeln sich anders als geplant. Die Flächenberechnung hat sie ohne den Elektriker gemacht. Drei Doppelsteckdosen prangen, wie gewünscht und gewissenhaft angebracht, mitten auf der Wand. Die großen Fliesen mit entsprechenden Aussparungen zu versehen, überfordern die Fliesende und das zur Verfügung stehende Gerät. Da rauchen Kopf und Zahnspachtel. Also nochmal ein Schiebefix: Die achtzehn weißen Fliesen verklebt sie wie geplant, dann je drei mal drei marmorierte. Die Steckdosen werden oben und unten von weißen Fliesen eingefasst. Dann wieder ein Neunerfeld marmorierte und so fort.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wie die Luftspiegelung der Oase in der Wüste ist das Bild des Herzens dieser Behausung fast zum Greifen nahe.

Oma schnauft bei der Erinnerung. Von Februar bis November hat es gedauert, bis sie die Küche verputzt, gefliest und einen neuen Fußboden verlegt hatten. Alles in der Freizeit, ohne Entgelt und mit einer Menge Spaß. Weihnachten, so der Plan, kocht sie in der neuen Küche. Das ist gelungen!

© Kathrin Schink 2022-01-19

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.