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#1sommer1buch#fremdewelten#familienwahnsinn

Liebe meines Lebens

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Liebe meines Lebens | story.one

Irgendwann ist er in mein Leben getreten. – Oder besser sie?

Zunächst wohl sie, die Erkenntnis, dass es an mir wäre, etwas zu ändern.

Eines Morgens zuckte sie auf, nachdem meine Faust nach vorn schoss. Zum großen Glück richtete dieser Impuls keinen Schaden am Kinde an. Viele Jahre Kampfsport hatten in mir gut trainierte Reflexe hinterlassen, die für mich als Mutter eines willensstarken Dreieinhalbjährigen mit kleinem Geschwister einerseits Schaden verhindert hatten, auf Dauer jedoch eher hinderlich würden.

Ich machte mich auf die Suche nach Möglichkeiten zur Stressregulierung, Entspannung, Erziehungshilfen. Dann erfuhr ich von ihm – von seinem Modell, das er Nonviolence Communication nannte:

Wertfreie Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte im Karussell von Selbsteinfühlung, Fremdeinfühlung, Kommunikation ins Außen.

Das klang logisch, einfach und strukturiert. Ich liebe Struktur und so war die Sache klar. Ich buchte mir, nach einer Proberunde, eine Grundausbildung beim Trainerpaar meiner Wahl, die sich über ein Jahr erstreckte.

***

Da sitze ich nun in einem großen Stuhlkreis, ungeübt mit solchen Dingen wie Befindlichkeitsrunden. Einige der Anwesenden wissen offensichtlich Bescheid. Das Redeherz beginnt von einem zum anderen zu wandern. Wer das Stoffherz in der Hand hält, ist dran und darf sein Herz auf der Zunge tragen.

Wie geht es dir? Wie fühlst du dich? – Ich bin blank überfordert und bestaune meine Mitwesen wie Krabbelkäfer im gläsernen Terrarium.

„Ich fühle mich …“ – „Heut bin ich …“ – „Es bewegt mich tief …“

Uff – das soll ich hier von mir geben? ‘Jeht ja jar nich!’ krakeelt meine innere Stimme. Wo ist hier die versprochene Struktur? Was greifen sich manche so augenfällig an die Brust? ‘Herzinfarkt oda wat?’

Der Trainer ist wieder dran und erzählt sehr anschaulich, wie es ihm am Anfang ging und wie er zu Marshall B. Rosenberg fand. Klingt sehr vertraut. Ich entspanne mich.

Die Theorierunde ist dran. Na bestens! Theorie kann ich. Den Ablaufplan habe ich verinnerlicht.

Dann geht’s ans Eingemachte. Beispiele der Teilnehmer kommen auf den Tisch. Ich halte mich zurück. Zu unsicher ist mir der Sprung ins kalte Wasser und morgen ist ja auch noch ein Tag. Oder?

An diesem Tag entflammte die Liebe meines Lebens. Sie kam still und ist ein wärmendes Feuer. Ab einem bestimmten Zeitpunkt fühlte ich eine sich öffnende Herzensverbindung tatsächlich als warmes Strömen meines Herzchakras.

© Kathrin Schink 2020-09-28

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