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#kommunikation#handwerk#mutmacher

Ofen und Spielplatz

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Ofen und Spielplatz | story.one

Der Ofen soll fertig werden. In der linken Hand halte ich die Maurerkelle. Mit der Rechten richte ich den Stein. Es gilt eine Ecke mit einem Bruchstein abzuschlieĂźen.

„Kann man nicht hier …?“

Weiter geht der Satz nicht. Ich fauche und fahre meine Krallen aus.

„Nein.“

„Man kann doch hier …“ Er versucht mir zu zeigen, was er meint.

„Geh woanders spielen!“ entfährt es mir. In mir rumoren Wut und genervt sein. Sätze schießen mir durch den Kopf: Wieso machst du es denn nicht selbst? Hast es doch schon x-mal verkündet. Du weißt noch nicht mal, wie man eine Kelle hält. Wenn ich es nicht mache, macht es eh keiner. Der Ofen könnte schon lange fertig sein, wenn du so schlau bist. Und so weiter und so fort.

„Warum bist Du so? Es ist doch nur ein Hinweis.“ Ein verständnisloser Blick seinerseits und ein Schritt nach hinten kündigen seinen Rückzug an.

„Geh woanders spielen! Hinweise sind hier nicht erwünscht.“ Froh bin ich, dass ich die Tirade bei mir behalten habe. Leid tut mir der Spielplatzsatz. Wie alt bin ich wohl, wenn mir der rausrutscht?

Die mir erinnerlichen Situationen ähneln sich: Ich bin voll Freude mit irgendetwas beschäftigt. Ein anderer Mensch kommt hinzu und will mir erklären, wie es RICHTIG geht. Dieser Mensch hat eigene Ideen, die er sofort mit einbringen will. Mein Tun ist dadurch jäh unterbrochen. Es gab Zeiten, da hätte ich sofort scharf geschossen.

Jetzt hätte ich gern gesagt: „Wenn ich hier arbeite und du mir ungefragt sagst, wie ich es machen soll, bin ich wütend und genervt. Ich brauche Ruhe und Störungsfreiheit, damit das Ergebnis nachher erfreulich ist. Bitte frage mich, ob ich einen Hinweis möchte, bevor du ihn gibst.“ Wie oft hab ich das mit meinen SeminarteilnehmerInnen geübt! - Oder gar ein souveränes Lächeln und entspannt zuhören?

Der Ofen ist nun zwei Steinreihen höher. Mein Groll ist verschwunden. Eine leise Irritation ist noch da. Wann kann ich wohl an dieser Baustelle den Schlussstein setzen?

***

Ein Jahr später ist der Ofen fertig, passend zu einem runden Geburtstag. Er ist nun ein echtes Gemeinschaftswerk. Insgesamt arbeiteten sechs Menschen daran. Meine eigene Baustelle hat inzwischen einen erfreulichen Zwischenstand: Kommt ein Mensch mit unerwünschten und unerwarteten Ratschlägen auf mich zu, teile ich inzwischen mit, dass ich keine Hinweise entgegennehme. Redet der Hinweisgeber weiter, frage ich: „Habe ich dich um Rat gefragt?“ Dies führt meist zum kurzen Einhalten mit Erkenntnisruck. Ein Mal half nur ein kerniges „Halts Maul!“ Darauf verstummte der Wortschwall und der Rednerin fiel auf, dass ihr Versuch der Zwangsbeglückung unerwünscht war. So war der Ofenbau ein zweifach erfreulicher Vorgang und ich danke von Herzen allen Beteiligten.

© Kathrin Schink 2020-04-11

mutmacher

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