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#sohn#geschwindigkeitsüberschreitung#brille

Ohne Brille mit 25 plus

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Ohne Brille mit 25 plus | story.one

Ein herrlicher Urlaubstag hat begonnen und ich düse, mit meinem Sohn auf dem Beifahrersitz, durch Mecklenburg. Von einem winzigen Örtchen im Landesinnern wollen wir nach Güstrow, einen Besuch abstatten.

Wie gewohnt bin ich zügig unterwegs. Wie üblich liegt die Brille auf der Mittelkonsole im Etui. Wir fahren in einen Ort hinein. Kurz hinter dem Ortsschild biegen wir in eine scharfe Linkskurve. Eine junge Frau in Uniform am rechten Straßenrand winkt uns auf den nahen Parkplatz. „Mist!“, entfährt es mir. Der Sohn kommentiert die Situation passend. Ich erwäge noch das Aufsetzen des Nasenfahrrades, entscheide mich dagegen. Vertuschung wird meist übelgenommen.

Einige andere hat es auch getroffen und so warten wir. Lauter junge Männer und Frauen in Uniform sind zugange. Später erfahren wir, dass es sich um eine Schulungsmaßnahme der Rostocker Polizeischule für angehende Polizisten handelt. Ein Doppel wendet sich uns zu, verlangt die Papiere und informiert mich dann über meine Fehltritte: „Nach Abzug der Toleranz beträgt die Geschwindigkeitsübertretung 25 km/h.“ – Huch! „Sie sind ohne Brille gefahren.“ Recht hat sie.

Der Kollege geht mit meinen Papieren zum Dienstwagen. Ich beginne mich mit der Polizistin zu unterhalten, hole meine Brille aus dem Auto und wir vertiefen uns ins Thema Sehqualität und Verbesserung derselben mit Augenübungen und ähnlichem. Als sie mitbekommt, dass ich als Heilpraktikerin tätig bin, erschließen sich uns weitere Themen. Sie gibt mir den hilfreichen Tipp, wenn es denn inzwischen ohne Brille ginge, könne ich dies bescheinigen lassen und sie für ein Entgelt von EUR 87 wieder aus dem Führerschein austragen lassen.

Der Kollege mit meinen Papieren kommt wieder, belehrt mich, dass ich Glück hätte die Brille dabei zu haben. Sonst hätte ich mein eigenes Auto nicht weiterbewegen dürfen, sondern mir den nächsten Optiker suchen müssen, um eine Brille zu erwerben. Auf meine Frage, wie ich an einem Sonntag im schönen Mecklenburg einen Optiker finden solle, um eine passende Brille zu erhalten, gab er mir die Auskunft: „So ist die Regel. Ohne Brille dürften wir sie nicht weiterfahren lassen.“

Entschlossen stülpe ich mir das Drahtgestell auf die Nase, bin stolz auf meinen Sohn, der das ganze Procedere geduldig und ohne naseweise Kommentare ertragen hat. Gut, dass ihm klar ist, dass es sonst länger gedauert hätte. Ich halte ihm die Beifahrertür auf. Die Brille schiebe ich ruckartig auf die Stirn: Wow, nur die Geschwindigkeitsüberschreitung steht auf dem Zettel. Danke!

Eines muss nun aber doch noch diskutiert werden. Was hätten wir getan, wenn die Brille nicht im Auto gelegen hätte?

© Kathrin Schink 2021-07-21

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