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#kommunikation#entsorgung#bedarf

Selbst gekniffen

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Selbst gekniffen | story.one

Schon mal ein Klo zum Geburtstag verschenkt? Tolle Idee, total ökologisch, passt in jedes Auto – so für unterwegs – nie wieder vor dem Dixi lauern. Für die Nachtaktiven in Bettnähe ideal. So kommt ein bisschen mehr Schlaf heraus.

Wie ökologisch? Na ja, so ein Trockenklo braucht kein Wasser. Es trennt Pipi von Feststoff oder dem, was fest sein sollte: geruchssicherer Tank für vorn, Eimerchen für hinten. Aufs frisch Gelegte kommen Sägespäne. Das Papier soll separat gesammelt werden. Das Eimerchen wird auf dem Kompost entleert. Es riecht tatsächlich wenig! Allerdings ist geruchsfrei auch übertrieben. Der Tankinhalt kommt im Freien auf die (hoffentlich in jedem Ökohaushalt vorrätige) Holzkohle, die dann wieder aufs Beet kommt. Der Segen eines geschlossenen Kreislaufes lässt das Herz jedes Öko-Freundes höher schlagen.

Soweit die Theorie.

Das Geburtstagskind (68) freute sich riesig! Ein rundum gelungenes und gewünschtes Geschenk. Dank intensiver Nutzung ist es auch ein rentables. Die Bettnähe minimiert die Längen der nächtlichen Schlafunterbrechungen.

Der Haken an der Sache ward später sichtbar: Was im WC landet ist verschwunden. Kein Hahn kräht mehr danach und auch der Nachteule ist es egal. Was im Trockenklo landet, muss auf den Kompost oder die Kohle. Wochen später kann der Nutzer des Geburtstagsklos mit einem Fuß nicht auftreten. Die Behälter füllen sich. Es pressiert.

Innerlich höchst unerfreut komme ich der Bitte um Leerung der Behälter nach. Das Eimerchen soll zum Kompost - das passt schon. Holzkohle ist gerade keine aufzufinden. Der Tankinhalt könnte doch ausnahmsweise mal ins WC. – Puh! Eine irre Ammoniakwolke entweicht dem Tank. Mich würgt es. Ich reiße alle Fenster auf. Noch Stunden später wabert es durchs Haus.

Gerade bin ich mir gar nicht mehr gut für diese Idee. Statt mich selbst innerlich und den Laufunfähigen äußerlich zu beschimpfen, versuche ich mich in Selbsteinfühlung: Welche Bedürfnisse habe ich mir erfüllt, als ich dieses Trockenklo-Würfelchen verschenkte? Ruhe, indem keine morgendlichen Erzählungen über gefährliche Nachtwege zum Badezimmer mehr den Frühstückstisch bereichern würden. Wirksamkeit, da der Beschenkte sich dieses begehrte Stück nicht gekauft hätte.

Wie habe ich mich zum Zeitpunkt des Verschenkens gefühlt? Ich freute mich, war glücklich, geradezu in Frieden, mit dem Moment und in heiterer Erwartung, die Ruhe werde bleiben.

War dies alles wie weggeblasen, nur weil mir die Leerung des segensreichen Würfels für eine gewisse Zeit zufiel? „Nein!“, oder besser noch: „JA!“, zu meiner grandiosen Idee, ihn zu kaufen. Und „JA!“, zu meiner Strategie, für meine Ruhe zu sorgen und wirksam zu sein.

Zwei Jahre später, beim ersten gemeinsamen Urlaub seit acht Jahren, jubiliere ich. Der Klo-Würfel ergänzt Pelle, den Miniwohnwagen. Wir sind autark und genieße Ruhe, Frieden, Natur und Bewegung fernab vom Tourismus. Danke!

© Kathrin Schink 2020-08-01

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