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Von Schlesien an die Waterkant

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Von Schlesien an die Waterkant | story.one

In der Hudtwalckertwiete in Hamburg wurde er gezeugt. In dieser Stadt ist er aufgewachsen. Über ein halbes Jahrhundert hat er dort verbracht. Mit 64 Jahren zog er aufs Land.

Seine Eltern stammten aus dem lĂ€ndlichen Raum. Der Vater handelte mit Braugerste, vor dem 2. Weltkrieg in Breslau. Dort baute er dank seiner Erfindung, Stroh zu eckigen Paketen zu pressen, sein Unternehmen aus und verfĂŒgte bald ĂŒber einen motorisierten Fuhrpark. Seine Frau packte tatkrĂ€ftig an und fĂŒhrte das Unternehmen, als der Unternehmer eingezogen wurde. Diesem Paar waren keine Kinder vergönnt. Sie begab sich mit dem Fuhrpark und dem, was ihr mitnahmewert erschien, auf die Flucht. Als niemand außer ihr die Fahrzeuge mehr fĂŒhren konnte, fuhr sie eines voraus, um das jeweils nĂ€chste dann nachzuholen. Der Legende nach, kam sie so bis Dresden. Beim Anblick der brennenden Stadt nahm sie sich das Leben.

Als der Vater aus der 4jĂ€hrigen russischen Kriegsgefangenschaft kam, entschied er sich fĂŒr Hamburg als neuen Lebensort fĂŒr sich und sein GeschĂ€ft. Die Unternehmen, mit denen er schon in Breslau geschĂ€ftliche Kontakte pflegte, waren hier ebenfalls vertreten. Der Hafen bot beste Voraussetzungen fĂŒr einen Neuanfang. Er begann ganz von vorn: Braugerste wurde gebraucht und er handelt sie. Sein BĂŒro lag in der Hutwalkertwiete. Er nutzte es tagsĂŒber. Ein Schlafgast, an dem der geschĂ€ftstĂŒchtige Vermieter des BĂŒros ein zweites Mal verdiente, nutzte es nachts. Dort lag er unter dem Tisch und schlief. Dies wurde erst offenkundig, als der BĂŒroinhaber eines Nachts in seinem BĂŒro ungestörte Stunden verbringen wollte.

Auf einem Kartoffelball lernte der Kaufmann seine zukĂŒnftige Gemahlin kennen. Sie arbeitete zu dieser Zeit im Vorstandssekretariat der Bill-Brauerei. Dies wurde eine fruchtbare Verbindung, die zwei Kinder hervorbrachte und dem Unternehmen des BraugerstehĂ€ndlers zur BlĂŒte verhalf.

Die Mutter entstammte einer Familie von Gutsverwaltern. Große, krĂ€ftige Menschen waren ihre Vorfahren. Zum Kummer des Vaters genĂŒgte dies jedoch nicht dafĂŒr, dass die Söhne dem Vater in Sachen Sport nachgeeifert hĂ€tten. War dieser in seiner Jugend fĂŒr die Olympiade in Amsterdam 1928 in der Olympiamannschaft und fĂŒr zwei Laufdisziplinen und Weitsprung nominiert, waren die Söhne zu keiner Leistungssportart zu bewegen. Die gemeinsamen Skiurlaube blieben der einzige Lichtblick.

Unter der Anleitung von Rosi Mittermeiers Vater lernt der in Hamburg Geborene auf der Winklmoos-Alm Ski-Fahren. Seine Ski-Karriere begann er im 7. Lebensjahr mit Windpocken und beendete sie im 22. Lebensjahr mit Masern. Vier RĂ€der unter dem GesĂ€ĂŸ waren kĂŒnftig die Fortbewegungsmittel der Wahl. Eine Leidenschaft fĂŒr FluggerĂ€te aller Art kam Jahre spĂ€ter hinzu.

Nach dem Abitur und einer Banklehre trat er in die vÀterliche Firma ein. Den Posten des Bankdirektors hatte ihm niemand angeboten.

Reise Stadt Architektur · Kostenloses Foto auf Pixabay

© Kathrin Schink 2022-06-02

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