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Wie die Schmiede ins Dorf kam

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Wie die Schmiede ins Dorf kam | story.one

Als Kind liebte er Geschmiedetes. Die Blüte des Schmiedehandwerks war vorbei. Maschinen hatten die Handwerker fast abgelöst. Pferde, die Hufeisen brauchten, gab es kaum noch. Selten bestellte jemand kunstvoll geschmiedete Tore oder Geländer. Das Feuer des Schmiedens brannte in dem Jungen aus der Großstadt. Gab es einen Mittelaltermarkt, war er dort. Die Mutter erfreute sich an geschmiedeten Herzen.

Sie zog aufs Land. Als für ihn die Frage der Berufswahl kam, war die Antwort: „Schmied“. Diese Bezeichnung gab es nicht mehr und Metallbauer mit intakter Esse waren inzwischen rar geworden. Sie erzählte im Chor vom Berufswunsch ihres Sohnes. Es gab rege Anteilnahme und endlich zwei Tipps. Nach dem Kennenlernen und dem Praktikum in einer davon wurde per Handschlag der Ausbildungsvertrag besiegelt. Er zog in das Projekt Gemeinschaftliches Wohnen des gesundbronnenDORFes.

Die Begeisterung des Schmiedelehrlings loderte hell und es stellte sich heraus, dass im Betrieb zu wenig Zeit blieb, um sich dem eigentlichen Schmieden zu widmen. Es entstand das Projekt Metallbauwerkstatt. Die Scheune mit rückwärtiger überdachter Terrasse war der geeignete Ort, eine Werkstatt einzurichten. Sie fügte sich in das Gesamtprojekt, das unter dem Dach der Jugendhilfe und der Volksbildung die Pflege und den Erhalt traditionellen Handwerks vorsah.

„Da haben wir eben in die Hände gespuckt und zugepackt.“ erzählt der heutige Schmiedemeister, wenn er darauf angesprochen wird: „Von Mai 2020 bis Ende 2022 hat es gedauert. Erst haben wir das Dach erneuert, dann zusätzlich Balken als Fachwerk eingezogen, Wände gemauert und verputzt. Die Fensterrahmen und Fensterflügel habe ich nach der Arbeit geschweißt und montiert.“ Zwinkernd schiebt er nach: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, schuf auch die Eisenmänner. So schütze Herr auch überdies den Amboss und die Hämmer.“ Wo er das Gebet her hat, erinnert er nicht mehr. Wirksam ist er doch.

Aus dem Auszubildenden wurde ein Geselle, später ein Meister. Während der ganzen Zeit betätigte er sich ehrenamtlich in der Metallbauwerkstatt, wo er sich mit Jugendlichen Wissen und praktisches Können aneignete. „Du brauchst da schon einen zweiten Mann. Der Zuschläger ist so wichtig, wie der Formende selbst. Ich war echt froh, dass da immer wieder jemand kam. So sind gemeinsam tolle Objekte entstanden,“ erinnert er sich an den ersten Standort. „Und dann ging es darum, am neuen Ort eine echte Schmiede einzurichten. Klar, dass ich mit meinem Wissen bereitstand.“

Wie immer steht und fällt alles mit den Menschen. Würden sich Menschen zusammenfinden, das Projekt Schmiede zu stemmen? Aus Sicht des Jahres 2035 ist klar: Ja, sie haben sich gefunden. Das Gebäude wurde umgebaut, eingerichtet, Werkzeuge und Maschinen beschafft. Rhythmisch schallen Hammerschläge herüber vom Dorfrand. Metall trifft auf Metall. Gleich eines Glockenklanges trägt der Wind die Kunde weiter, dass hier noch von Hand geschmiedet wird.

© Kathrin Schink 2022-01-25

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