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Wie es begann

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Wie es begann | story.one

„Wie es anfing, wollt ihr wissen?“, Oma blickt in die Runde. „Am Anfang war ein Haus. Nein. – Eine Idee, die Idee vom gesundbronnenDORF.“

„Jo, so mit 55 Joor, so inne Lebensmidde“, auf einen Knuff in die Seite verfällt der Olsche ins Hochdeutsche: „Ich hatte die Wohnungen in der Metropole verkauft und lebte im Wohnmobil auf einem Campingplatz und dachte, so bei einem Blick in den Himmel, die zweite Hälfte meines Lebens verbringe ich in einem Dorf. Mit anderen Menschen gemeinsam. Mehrgenerationenwohnen wurde gerade zum Schlagwort.“ Der Olsche streicht über seinen weißen Bart. „Bis 2009 dauerte es dann, bis sich Menschen fanden, die einen gemeinsamen Plan machen wollten. Noch einmal 7 Jahre gingen ins Land, bis 2016 die Sache ins Rollen kam. Ich gründete eine Stiftung.“

„Was willst du denn mit Stiften, wenn du ein Dorf haben willst? Bist du Maler?“, ein Junge rollt sich vor Lachen auf dem Boden. „Steine brauchst du und Holz.“ „Und Lehm und Hanf!“ „Wolle und feste Stoffe.“ Fast jedes Kind hat eine Idee.

Der Olsche sieht es mit Freude. So hat er sich das vorgestellt. Dass sein Traum vom Nutzhanfanbau hier wahr wurde, rührt ihn zu Tränen. „Na ja, noch ist es ja so, dass das Land jemandem gehören muss. Und weil es nicht nur für einen Menschen ist, habe ich die Stiftung gegründet. Das ist wie ein großer Topf, in den Menschen Geld, Häuser, Felder, Werkstätten und anderes hineingeben. Das alles kann zum Wohle von Menschen durch Menschen genutzt werden. Die Spielregeln wurden bei der Gründung der Stiftung festgelegt.“

„Damit es nicht aufgeteilt wird, wenn der Mensch stirbt, stimmt's? – Oder es bei Scheidung verkauft werden muss!“, ein Mädchen um die 12 Jahre hat regen Anteil an der Erklärung genommen. Anerkennende Blicke werden ihr zuteil.

„Ohne etwas Wertvolles am Anfang gibt es keine Stiftung. Deshalb sagte Oma ‘Am Anfang war ein Haus.‘ – ein Haus in Hamburg. Meine geschiedene Frau gab es in die Stiftung, weil ihr die Dorf-Idee gefiel und keiner von uns Kinder hatte.“

„Und Oma hast Du in der Schweiz kennengelernt und sie fand die Idee auch super!“ Von der Seite kommt ein munterer Spruch: „Zwei Flachlandindianer, die sich auf dem Berg treffen.“, die ersten grinsen breit. „Ein Flachlandindianer zum anderen: Wohin willst du? – Auf den Berg. – Wieso? – Ich brauch den Überblick.“ Nun halten sich alle die Seiten. Je flacher der Witz, desto besser. Das klappt auch heute noch. „Das war auch gut so!“ Der Olsche japst nach Luft. „Von den anderen war nämlich niemand mehr da. Sie hatten alle bereits Wohnmöglichkeiten gefunden.“

„Unser erster Versuch war der Kauf eines Seminarhauses. Auf einem Treffen im Süden des Landes erfuhren wir, dass im Norden ein Seminarhaus verkauft werden sollte. Da ich den Verkäufer kannte und dies ja ein Teil des Planes für unser Dorf war, machten wir einen Schlenker zu diesem Ort. Nachdem wir das Haus und den Wald mit See angeschaut hatten und uns der Verkäufer erzählt hatte, was er will, fuhren wir weiter gen Norden in meine Heimatstatt.“

© Kathrin Schink 2022-01-16

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