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Wo das Eine endet, fängt was Anderes an

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Wo das Eine endet, fängt was Anderes an | story.one

Plötzlich sind sie wieder allein, der Olsche und Oma, im Sommer 2035. Versonnen dreht Oma einen Grashalm zwischen den Fingern. Wie viele junge Menschen, meist Jungen, hat sie durch schwierige Zeiten begleitet? Das Haus am Kirchenplatz mit seinem Café bot einen geschützten Raum. Saniert und gepflegt ist es erst recht das Aushängeschild der Stiftung in der Stadt. Unter den Begriffen Jugendhilfe, Erziehung und Volksbildung fand hier Unterricht statt. Die Möglichkeit zum praktischen Arbeiten in einer Werkstatt gab es ebenso wie Gartenbau auf dem Pachtland möglich war. Die Altenhilfe, die für die Stifterin geleistet wurde, ging in Pflege über, die endete, als sie diese Erde 2018 verließ. Menschen mit Behinderung haben vor Ort zuverlässige Ansprechpartner. All dies leisteten und leisten die Menschen, die sich der Grundidee nahe fühlen, bis heute ehrenamtlich. Wichtig war und ist ihnen, dass das Projekt gesundbronnenDORF gelingt und gedeiht.

Ein Segen, dass das Modul Schule und Akademie mit dem Kauf dieses wundervollen Geländes einer alten Landschule umgesetzt werden konnte. 2023 war genau der richtige Zeitpunkt. Oma hat aus weiteren Grashalmen einen Ring geformt. Durch den schaut sie nun in Richtung dieses Geländes. Schmunzelnd sinniert sie darüber, mit welcher Akribie sie die Wirtschaftspläne für jedes einzelne zu erwerbende Objekt erstellte. Ihr Ziel war, dass sich jedes selbst trüge und ein Beitrag zur Gemeinnützigkeit daraus erwüchse. Die nächtelange Arbeit hat sich wahrlich gelohnt. Oma schaut durch ihr Grasfernrohr über das Land. Dort hinter der Waldkante können sie in der Sylvesternacht die Fontänen und Lichtkaskaden der anderen Standorte sehen.

Oma lacht plötzlich leise und schüttelt den Kopf: „Ja, die Menschen!“ Eine echte Herausforderung war es am Anfang, Menschen zu finden, die die Idee vom gesundbronnenDORF nicht nur toll finden, sondern auch bereit waren, mit anzupacken. Ausdauer war gefragt und auch körperliche Arbeit, denn anfangs war das Geld knapp. Das Zwischenmenschliche jedoch war die größte Herausforderung. Menschen kamen und gingen auch wieder. Der romantische Wunsch, aufs Land zu gehen, ließ so manchen vergessen, dass das Ein- und Auskommen gesichert werden musste. Verschiedene Wertvorstellungen, Lebenserfahrungen und voneinander abweichende Ziele prallten aufeinander.

Und doch blieb immer mal ein Mensch und endlich kamen auch junge Familien. Bestand das erste gemeinschaftliche Wohnen aus 5 Menschen dreier Generationen, besteht die Dorfgemeinschaft jetzt im Jahr 2035 aus – Oma rechnet im Kopf - etwa 200 Menschen. Auch das lebenszielbedingte Fortgehen und Hinzukommen lässt die Bewohnerzahl stabil bleiben. Eine Hebamme und einen Friedwald gibt es. So ist das Kommen und Gehen ein natürlicher Vorgang. Oma lässt ihr Grasfernrohr sinken. Neben ihr schnarcht der Olsche leise. „So ist das mit der Altenhilfe,“ flüstert Oma vor sich hin. „Irgendwann braucht sie fast Jeder.“

© Kathrin Schink 2022-01-17

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