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#begegnung#zwischenmenschliches#urlaubsgeschichten

Eine Wanderung, fünf Geschichten

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Eine Wanderung, fünf Geschichten | story.one

Die letzten Tage des Jahres 2020 durfte ich im Allgäu, in unserem Happy Place, verbringen.

An dem letzten Tag dieser wunderbaren Zeit habe ich eine kleine Wanderung am Alatsee gemacht. Der Aufstieg auf die Salober Alm dauerte nur etwa 25 Minuten trotz Eis und Glätte. Weil es so schnell ging bin ich danach noch einmal um den See herum gegangen. Das letzte Mal war ich hier im Sommer 2018 mit einer guten Freundin. Das scheint Lichtjahre her zu sein.

Ich liebe es alleine spazieren zu gehen, ganz bei mir zu sein und in Ruhe über Dinge nachzudenken. An diesem Tag , auf dieser relativ kurzen Wanderung bin ich nicht allein geblieben. Mir sind Menschen, Musik und fünf ganz unterschiedliche Geschichten begegnet.

Auf dem steilen Weg nach oben zur Alm hörte ich auf einmal Flötenklänge unten vom Seeufer. Die Musik hat die Landschaft noch zauberhafter gemacht als sie ohnehin schon war.

Dann kamen mir immer wieder mal Leute auf Schlitten oder Bobs entgegen und oben auf der Alm traf ich eine Gruppe von sechs jungen Männern, die sich gerade ein Bier genehmigten, bevor sie auf ihren Schlitten den Weg nach unten antraten. Eine tolle Aktion zu Corona- und Lockdown -Zeiten. Draußen, mit Abstand aber doch zusammen sein und Spaß haben. Ich fand es einfach klasse und habe es mir für unseren nächsten Winter hier fest vorgenommen.

Als ich später um den See ging, hörte ich auf einmal Menschen Englisch sprechen. Es war eine junge Mutter, ihr kleiner Sohn und sein Opa. Am Kinderwagen sah ich den vertrauten United Airlines Anhänger. Auch sie war – wie ich aus den Wortfetzen entnehmen konnte – aus den USA. Genau wie wir, hat sie die lange Anreise während einer Pandemie auf sich genommen hatte, um Zeit mit der Familie zu verbringen und ihrem Vater (oder Schwiegervater) Zeit mit seinem Enkel zu schenken. Ich fühlte mich ihr verbunden und die Begegnung hat mich sehr gerührt.

Dann ging ich am Hotel-Restaurant Alatsee vorbei und musste lesen, dass das Hotel aufgrund der Situation leider schließen musste. So viele Schicksale hat dieser unsägliche Virus auf dem Gewissen. Dann hörte ich wieder die Flötenmusik, diesmal wurde ein Weihnachtslied gespielt, aber gesehen habe ich den Musiker oder die Musikerin leider nicht.

Ganz am Ende auf dem Parkplatz traf ich noch ein Pärchen, das sich gerade dummerweise aus ihrem Auto ausgesperrt hatten und der Mann hatte, bei minus zwei Grad, auch noch seine Jacke im Auto gelassen, brrr. Gottseidank hatten sie schon einen Freund erreicht, der auf dem Weg mit dem Ersatzschlüssel war.

So war ich auf meiner kurzen Wanderung doch nicht ganz allein. In etwas mehr als einer Stunde habe ich Natur, Lebensfreude, Musik, Glück, Liebe, Trauer, Abschied und Unglück mit erleben dürfen.

Ich werde mich noch lange daran erinnern.

© Kathrin Schönberg 2021-03-08

Reisen

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