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Als in mein neues Haus eingebrochen wurde!

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Als in mein neues Haus eingebrochen wurde! | story.one

Es war an einem Frühlingsabend, als ich mich von der Arbeit am Flughafen Salzburg auf den Weg nach Hause machte. Die Luft war frisch und würzig, Frühling eben. Mein Blick war auf den Untersberg gerichtet. Während im Flachen bereits der Löwenzahn blühte, war auf dem Berg noch Schnee zu sehen.

Ich ging, und schon von weitem erspähte ich mein nigelnagelneues hellblau gestrichenes Haus. Weil es halt tatsächlich noch ganz nigelnagelneu war, roch es innendrinnen auch noch so. Kein Staubfuselchen war zu sehen, und die Fenster waren so klar, dass es einen blendete. Ich freute mich auf das Nachhausekommen. In meiner Tasche kramte ich nach meinem Schlüssel, und nach gefühltem stundenlangen Suchen fand ich ihn auch endlich. Frauenhandtaschen können eben eine wahre Challenge sein.

In freudiger Erwartung steckte ich den Schlüssel ins Schloss, und nur wenige Sekunden später war ich einem Herzinfarkt nur ganz knapp entkommen. Das Fenster nämlich war mit einer dicken Folie abgeklebt. Schnell war ich felsenfest davon überzeugt, in meinem Haus muss eingebrochen worden sein. Nicht, dass es bei mir so viel zu holen gab, nein, das nicht. Trotzdem!

Hinein traute ich mich jetzt nicht. Ich nahm aufgelöst mein Handy zur Hand.

Kein Anruf in Abwesenheit. “Was nun?“, fragte ich mich noch immer ganz nervös. Dann beschloss ich, den ganz in der Nähe stationierten Informationsschalter aufzusuchen. Vielleicht hat man ja da was mitbekommen und kann mir weiterhelfen. Oder doch gleich zur Polizei? Ich entschied mich für ersteres. Nur nicht übertreiben!

Da war er auch gleich, der freundliche Mitarbeiter. Ich war ihm schon bekannt. Aufgeregt erzählte ich ihm, dass man in mein Haus eingebrochen hatte und ich jetzt nicht recht wüsste, was ich machen soll. Ob er denn etwas mitbekommen hatte, wollte ich wissen. “Und ob, Kristina!“, entgegnete er schmunzelnd. “Du hast das Fenster deines Autos offengelassen, und wir haben es mit einer Folie abgeklebt, damit es nicht hineinregnet. Wir wussten ja nicht, dass es dein Auto ist.“

Jetzt bekam ich einen Lachkrampf und bedankte mich herzlichst.

Warum ich zu meinem Auto Haus sage, frägst du dich jetzt vielleicht! Naja, eine liebe Freundin fragte mich erst letzte Woche lachend, ob ich denn schon eine Wohnung hätte, nachdem ich in meinem Auto erstmal Platz schaffen musste, bevor ich sie mitnehmen konnte. Man muss ja für alle Eventualitäten im Leben gerüstet sein. Es kann ja leicht sein, dass ich nach meiner Frühlingsskitour ganz plötzlich Lust bekomme, in den Fuschlsee zu hüpfen. Also müssen halt auch die Badesachen immer dabei sein. Und damit ich dann nicht krank werde, brauch ich warme Kleidung und so weiter und so fort.

Es stimmt also, mein Auto ist tatsächlich ein wenig wie eine Wohnung für mich. Das Fenster schließe ich jetzt meistens, bevor ich aussteige, und das Gleiche tu ich auch mit dem Zimmerfenster in meiner WG. Nicht, dass ich schneller rausfliege als ich gekommen bin und dann tatsächlich im Auto wohnen muss.

© Kristina Fenninger 2021-04-25

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