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#summerchallenge

Pass - Desaster

  • 210
Pass - Desaster | story.one

Meine Mama packte die Koffer fĂŒr die Reise nicht erst ein paar Tage vor Urlaubsbeginn, nein, sondern schon Wochen vorher. Ihre Freunde und unsere Nachbarn lachten sie aus deswegen. Deshalb beschloss sie, es vor unserem Kroatien-Urlaub anders zu machen. Am Freitag Vormittag, gut 18 Stunden vor Reisebeginn, begann sie einzupacken, was man halt so alles braucht fĂŒr einen einwöchigen Urlaub und vier Personen am Meer.

Vergeblich suchte sie die Ausweise von meiner Schwester und mir. Sie konnte sie nirgendwo finden. "Eine Schande fĂŒr eine ordentliche Hausfrau", dachte sie sich. Aber das war im Moment ihr eher geringeres Problem, war es ja mittlerweile Freitag, kurz vor Mittag.

Sie machte sich auf den Weg ins Gemeindeamt. Dort stellte man ihr so eine Art Pass-Ersatz aus. Ein Gemeindebediensteter lachte sie aus und meinte, damit kommt ihr sowieso nicht ĂŒber die Grenze. Keine Ahnung, warum sie es ihr dann ĂŒberhaupt ausstellten, wenn sie der Meinung waren, dass es ihr eh nichts bringen wĂŒrde? Ich weiß es nicht! Probiert haben wir es aber trotzdem.

Bis zur slowenischen Grenze sind wir gekommen. Dort sagte man uns: „Selbst wenn wir Sie hier jetzt weiter lassen, so kann es sein, dass Sie die Polizei an der kroatischen Grenze einsperrt, wegen eventueller KindesentfĂŒhrung.“ Um Gottes willen! Wir sind aus allen Wolken gefallen.

Da hatte ich einen blendenden Einfall: ich habe ja meinen Fahrradausweis, also die Bescheinigung, dass ich die FahrradprĂŒfung bestanden hab, dabei. Da steht ja mein Name drinnen, welcher bezeugt, dass ich die Tochter meiner Eltern bin. "Und meine Schwester und ich sehen uns eh so Ă€hnlich", dachte ich mir. "Da wird man es uns dann schon glauben, dass wir zusammen gehören." Komisch, dass dem dann nicht so war, ich wollte nicht verstehen, warum meinem Dokument keine Achtung geschenkt wurde.

Was blieb uns anderes ĂŒbrig, als uns wieder auf den Nachhauseweg zu machen? Richtig! Nichts! Die eventuellen Konsequenzen wollten wir nicht riskieren. Daheim angekommen, dauerte es nicht lange, bis meine Eltern den Ausweis fanden. Er war im NachtkĂ€stchen unter anderen Dokumenten. Wo sonst?

Die nĂ€chste böse Überraschung ließ aber nicht lange auf sich warten. Mein Pass war abgelaufen. Wir konnten und wollten das wirklich nicht glauben. Mama rief bei der Polizeidienststelle in Traunstein an. Der Beamte schickte uns auf die Polizei in Freilassing. Ein sehr netter Beamter empfing uns. Er teilte uns mit, dass er die Möglichkeit hat, uns den Ausweis zu verlĂ€ngern. Gesagt, getan. Vor lauter Freude wĂ€re meine Mama dem Polizisten am liebsten um den Hals gefallen.

Erleichtert setzten wir unsere Reise fort. Oder besser gesagt, Reise Nummer zwei an diesem Tag begann. Mit einem Auto ohne Klimaanlage, bei brĂŒtender Hitze. Kurz nach 23.00 Uhr kamen wir total verschwitzt, hungrig und völlig mĂŒde im Hotel an. Wir verlebten dann eine schöne Zeit in Kroatien. Und ja, richtig! Meine Mama packt jetzt wieder drei Wochen vorher die Koffer.

© Kristina Fenninger 2019-06-27

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