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Campino und das Eis

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Campino und das Eis | story.one

„Der Kampf ist beendet. Ich habe gewonnen“, schrieb ich in meinen WhatsApp Status. Alle sollten wissen, dass ich aus diesem Kampf als glückliche Siegerin hervorgegangen bin. Zwar war ich noch im Krankenhaus, aber die Therapie war beendet. Ich wusste, lange wird es nicht mehr dauern, bis ich wieder draußen sein werde. Für immer hoffentlich.

Ich schmiedete Pläne, was ich alles machen werde, wenn ich wieder in Freiheit bin. So surfte ich im Internet und las, dass die “Toten Hosen“ am 01.12.2018 beim Ski Opening in Schladming spielen werden. Ich fragte meine Ärztin, ob mein Immunsystem in ein paar Monaten einer riesigen Menschenmasse und wohl vielen Viren und Keimen standhalten wird. „Frau Fenninger, lassen Sie sich gegen die Grippe impfen und fahren Sie“, das waren ihre Worte. Worte, die mich sehr froh gestimmt hatten. Ich spürte, wie etwas Kraft zurückkam. Schnell fanden sich ein paar Menschen, die mit mir dieses Spektakel besuchen wollten. Die Karten wurden bestellt, und eine WhatsApp Gruppe wurde zur perfekten Planung gegründet. Sie hieß: “Wir toten Hosen“. Um die Vorfreude zu steigern, kaufte ich mir ein Album der Band und hörte es wochenlang beim Autofahren.

Der erste Tag im Dezember kam, und mir ging es gut. Ich rockte auf den Schultern von Flo ab, was das Zeug hielt. Sowieso konnte ich bei jedem Lied mitsingen. Die Stimmung war grandios. „An Tagen wie diesen, da wünscht man sich Unendlichkeit....“, sang er, der Campino. Für einen Moment wünschte auch ich sie mir.

Mit dem Schluss des Konzertes wurde die Skisaison 18/19 mit einem farbenfrohen Feuerwerk eröffnet. Völlig müde aber noch mehr glücklich und voller Dankbarkeit (zumindest ich, aber auch die anderen genossen das Konzert sichtlich) gingen wir zum Bus und fuhren nach Hause.

„Stell dir vor, die I. war mit ihrer Klasse in Salzburg beim Schlittschuhlaufen. Wen, glaubst du, haben sie dort getroffen?“, fragte mich eine Freundin, diese Woche. I. ist ihre Tochter. „Hhmm“, überlegte ich laut. „Du kommst sowieso nie drauf“, sagte sie. Sie wollte mich nicht länger auf die Folter spannen und sagte: „CAMPINO“. „Nein, das gibt es ja gar nicht, das kann ja wirklich nicht sein“, sagte ich und musste lachen. „Den Campino“. Die Lehrerin hatte ihn erkannt und ihn zu den Schülerinnen gebeten. Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Ein gemeinsames Foto wurde gemacht. Auch der Künstler ließ eines mit seinem Handy machen. Außerdem wollte er wissen, warum die Mädchen am späten Nachmittag ohne Jungs mit der Lehrerin unterwegs waren. Ich muss sagen, ich bin wirklich begeistert. Was hätte ich dafür gegeben, diesen für mich unglaublich tollen Künstler so nahe zu erleben und vielleicht sogar ein paar Wörter mit ihm zu wechseln! Wahrscheinlich aber hätte es mir die Sprache verschlagen.

Ich freute mich mit der Klasse und auch, dass durch diese Erzählung meine wirklich schönen Erinnerungen an das für mich ganz besondere Konzert vor etwas mehr als einem Jahr wieder geweckt wurden. Danke Campino.

© Kristina Fenninger 2019-12-21

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