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#1sommer1buch#freundschaft

Der Geschmack des Sommers

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Der Geschmack des Sommers | story.one

Der Sommer zeigt sich gerade von seiner besten Seite. Obwohl es noch früher Vormittag ist, hat sie Schweißperlen auf der Stirn. Sie will ihr Rad zurückstellen. Also öffnet sie das Garagentor. Angenehm kalte, Duft-geschwängerte Luft strömt ihr entgegen. Sie schließt die Augen und überlegt, was das wohl sein kann, das da so herrlich riecht. Ganz plötzlich fällt es ihr auch ein.

Früh am Morgen war er aufgestanden, der Flo, um mit seiner Freundin auf die Alm zu gehen und wilde Heidelbeeren zu ernten. Weil er nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere denkt, hat er für sie ein Säckchen voll mitgebrockt. Sofort gibt sie sich einige Beeren in den Mund. Ein süßer aber dennoch etwas saurer Geschmack breitet sich aus. So schmeckt der Sommer! Erneut schwingt sie sich auf ihr Rad. Zum Einkaufen will sie jetzt fahren, und alles besorgen, was sie eben für frische Heidelbeerdatschi benötigt.

Wieder daheim angekommen, schaut sie in den Spiegel. Ihre Zähne sind ganz blau, ebenso ihre Zunge. „Wie gut, dass man derzeit beim Einkaufen wieder eine Maske tragen muss“, denkt sie sich und lächelt ihr Spiegelbild an.

Sorgfältig trennt sie nun Dotter und Klar. Das Mehl, der Vanillezucker und das Salz werden vermischt, die Milch und die Dotter glatt gerührt. Das Eiklar schlägt sie mit Zucker zu einem cremigen Schnee, um ihn anschließend mit den Heidelbeeren unter den Teig zu heben. Nun erhitzt sie Butterschmalz in ihrer gusseisernen Pfanne, setzt mit einem Löffel Teig-Häufchen hinein, und bäckt die süße Mehlspeise auf beiden Seiten. Danach setzt sie Filterkaffee auf, nimmt ein Datschi nach dem anderen aus der Pfanne und berieselt es mit Staubzucker, welcher gleich darauf auch wieder schmilzt. Voller Genuss verspeist sie mit ihrem Freund die gebackenen heißen Teig-Häufchen. Sehr heiß, so mag sie die Datschis am liebsten. So kommt es halt aber auch, dass sie sich die Zunge verbrennt. Aber das macht ihr nichts, das hält sie aus.

Weil es halt wirklich so viele Beeren sind, die verarbeitet werden wollen, kommt es, dass einige Datschis überbleiben. Sie ruft ihren Kumpel an und fragt ihn, ob er welche haben möchte. Und ob er will! Sie macht sich auf den Weg zu ihm. „Komm doch auf ein Glas Wein rein, ein Freund ist da, und wir machen gerade eine Flasche auf.“ Sie nimmt die Einladung gerne an. Aus einem Glas werden mehrere, und die Stimmung wird immer gelöster. Später dann gesellt sich noch ein Nachbar dazu und die vier lachen unterm Sternenhimmel bis ihnen der Bauch schrecklich weh tut und sie Tränen weint. Soviel Spaß hatten sie alle schon lange nicht mehr.

Wofür diese Heidelbeeren nicht alles gut sein können.

© Kristina Fenninger 2020-08-21

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