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Der Krebs, der verlor

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Der Krebs, der verlor | story.one

Was ich mir zu Weihnachten wünsche, fragte mich meine Schwester, als sich das Jahr 2017 langsam dem Ende zuneigte.

Darauf antwortete ich: „Dass wir zusammen zu Wanda oder zum Gernot Kullis gehen.“ Insgeheim hoffte ich, dass es Wanda werden würde. Und so war es auch.

Ich bekam eine Karte für den 13.04. 2018 in der Olympiahalle in Innsbruck. Auch sie hatte sich eine Karte gekauft. Mir zuliebe. Ist sie doch wahrlich kein Wanda Fan! Zu meinem Geburtstag Anfang April 2018 bekam ich dann einen Gutschein für eine Übernachtung nach dem Konzert.

Am selben Tag fand auch die spontane Hochzeit einer guten Schulfreundin von mir statt. Wir beschlossen, vormittags zur Feier zu gehen, und dann auf nach Innsbruck.

So kam er also, der 13.04.2018, auf den ich mich so sehr gefreut hab. Wochenlang ging es mir aber nun schon so gar nicht gut.

Nächtelang konnte ich aufgrund starker Schmerzen im ganzen Körper nicht schlafen.

Zum Arzt ging ich erstmals nicht, da ich Anfang März bei der Gesundenuntersuchung gewesen war und mir der Zahnarzt gesagt hatte, dass mein Zahnweh seelisch bedingt sei. Also dachte ich, dass auch diese Schmerzen psychischer Ursache sind.

Nach langem Überlegen, ob ich daheim bleiben oder es zumindest probieren soll, entschied ich mich für Zweiteres.

Wenn ich mir das Foto anschaue, wo ich in der Kirche eine Fürbitte gelesen hab, erschrecke ich. Ich war kreidebleich. Trotzdem bin ich glücklich, dabei gewesen zu sein und es geschafft zu haben, meine Sätze aufzusagen.

Beim Fotografieren hatte ich Angst, vom Podest zu fallen, da mir schwindlig wurde. Es war sehr heiß.

Doch machten wir uns dann später auf den Weg nach Tirol.

Ich überstand das Ganze mehr oder weniger gut. Wie ich das ausgehalten hab, ist für mich im Nachhinein ein großes Rätsel. So gut es ging, habe ich genossen. Die Erinnerung daran ist unbeschreiblich. Weder im positiven Sinne, noch im negativen. Das Gefühl ist nicht in Worten zu beschreiben.

Jedenfalls bekam ich knapp eine Woche später die erste Chemotherapie.

Und nächstes Jahr im Frühling, dann gut zwei Jahre nach meiner Diagnose, wird Wanda in die Olympiahalle zurückkehren. Und so auch ich, frei von bösen Zellen.

Das hoffe und glaube ich ganz fest.

Ich gebe sicher nicht klein bei.

© Kristina Fenninger 2019-07-23

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