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#dankbarkeit#lustigebegebenheit#humormusssein

Der Port ist fort

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Der Port ist fort | story.one

Schneeflocken fallen vom Himmel, als ich das Haus heute verlasse. Es kommt mir vor, als würden sie tanzen. Trotz der leichten Nervosität ist auch mir zum Tanzen zumute. Heute nämlich ist der Tag, den ich so sehr herbeigesehnt hatte. Der Port, ein Implantat, über das ich die Chemo bekommen habe, wird herausoperiert. Nach dem Therapieende blieb er noch gut zwei Jahre in mir. Man weiß ja nie! Doch zu meiner allergrößten Freude benötige ich ihn nicht mehr. Die kritischen Jahre sind vorbei.

Ich liege also in meinem Bettchen und warte, dass man mich holt. Eine Schwester kommt zu mir und sagt: So, Frau Fenninger, jetzt messen wir erstmal den Blutdruck. Meine Bettnachbarin, noch ganz schläfrig und etwas verwirrt von der Narkose, wird hellhörig, als sie meinen Namen hört. Ob ich wohl eine Autogrammkarte habe, will sie wissen. Ich schüttle ungläubig den Kopf. Nein, habe ich leider zufällig nicht.

Bin ich schon so berühmt, frage ich mich im Stillen. Aber natürlich, fällt es mir jetzt wie Schuppen von den Augen. Natürlich will sie kein Autogramm von mir, sondern von der Anna Veith, die ja auch mal Fenninger hieß. Und schon ertönt auch die Frage aus ihrem Mund, ob ich wohl mit der Skifahrerin verwandt sei. Nein, bin ich nicht!

Ob ich vielleicht eine Vollnarkose möchte, werde ich gefragt. Nein danke, brauch ich nicht, antworte ich ganz cool. Nämlich möchte ich quasi live dabei sein bei diesem Spektakel, oder besser gesagt bei diesem Event, wie eine Freundin die OP nennt.

Und dann bekommt es die ach so coole Kris doch mit der Angst zu tun. Also verabreicht man mir ein Mittelchen, dass mich die ganze Zeit lachen lässt. Ja wirklich! Ich hatte die größte Gaudi bei der OP. Es gibt ja auch wirklich allen Grund zum Lachen.

Die liebenswerte OP Schwester C. nimmt meine Hand und lacht mit mir.

Und als ich dann wieder etwas zu mir komme, merke ich, der Port ist fort!

Müsste ich mich nicht noch schonen und wäre es mir nicht schwindlig, würde ich jetzt vor Freude nur so hüpfen.

Doch das ist ja wirklich etwas, das man nachholen kann. Zur Feier des Tages darf ich heute auch keinen Prosecco trinken, weil das halt so gar nicht geht nach einer OP.

Auch kann ich leider leider heute keinen Mercedes und keine Fluglinie kaufen, weil ich 24h nach dem Eingriff keine wichtigen Dokumente unterzeichnen darf. Quasi bin ich nicht ganz zurechnungsfähig im Moment.

Macht nichts! So spare ich mir mein Geld eben noch ein bisschen und freue mich heute einfach, dass ich gesund bin!

Was gibt es Schöneres?

Und während ich so nachdenke, beschließe ich, dass ich mir anstatt des teuren Schlittens oder der Flotte lieber eine Reise nach Barcelona gönnen werde. Ein Ziel, das ich schon viele Jahre im Visier hab, doch bis jetzt hat es nicht geklappt.

Wie gut, dass ich nicht zeichnungsberechtigt bin, sonst wäre das gute Geld weg, und nach Barcelona wäre ich erst wieder nicht gekommen.

Vielleicht gehen sich auch ein paar Skitage aus, und wer weiß, vielleicht treffe ich Anna und kann ein Autogramm abstauben.

© Kristina Fenninger 2020-12-09

mutmacherhaut

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