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Der SchweineHund

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Der SchweineHund | story.one

Ich liege auf der Couch. “Angst“ von Stefan Zweig in den Händen. Ganz gemütlich möchte ich lesen. Es ist mein erster “Zweig“. Am Tisch steht eine heiße Tasse Kaffee. Der Pfingstrosenstrauß erfüllt das ganze Wohnzimmer mit einem herrlichen Duft. Das Wetter draußen ist mal sonnig, mal bewölkt. Gerade richtig für so einen faulen Feiertag daheim.

„Komm, steh auf! Ich habe uns eine Runde im Kobernaußerwald herausgesucht. Dauert eh nur 2,5 h. Danach kannst du eh wieder chillen“, meint mein Freund.

„Nein, nein, nein, du bleibst schön brav liegen“, sagt der Schweinehund in mir. Doch Christoph kann ihn überzeugen: „Herrlich frische Waldluft, Bewegung, was glaubst du, wie gut du dann schlafen kannst, vielleicht gehen wir nachher noch auf eine Jause und ein Bier“. Da kann er nicht widerstehen, der Schweinehund.

Also machen wir uns mit dem Auto und dem Hund auf den Weg zum besagten Wald. Der Kobernaußerwald ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas. Ein ehemaliger Kollege meines Freundes ist dort Jäger. Er erzählte ihm mal, dass er einen Revolver bei sich tragen darf, um sich wehren zu können, falls ein Wildschwein ihn angreift.

Ein Jogger kommt uns entgegen. Er trägt einen Stock in der Hand. Wohl auch um sich vor den Säuen schützen zu können, welche jetzt im Frühling Junge haben und dann ganz besonders gefährlich und aggressiv sein können.

Unbeeindruckt wandern wir weiter. Wir entdecken eine riesige Tanne, welche 40 m hoch und 300 Jahre alt ist. Wir gehen und gehen. Christoph vertraut seinem Orientierungssinn und schaut nicht auf die App. Irgendwann gesteht er mir, dass er jetzt nicht mehr wirklich weiß, wo wir sind. Auch das Handy, welches er jetzt doch herausholt um nachzusehen, weiß es nicht so genau. Wir haben uns verlaufen, mitten in diesem riesigen Wald. Mitten in der Heimat der Wildschweine. Ich bleibe cool. Wir vertrauen, noch immer.

Plötzlich hebt Benny, unser Hund, ganz aufgeregt die Schnauze in die Luft, um wenige Augenblicke später wie wild am Boden herumzuschnüffeln. Jetzt nehme auch ich einen strengen Geruch wahr, doch ich kann ihn nicht deuten. „Hier riecht es wie in einem Streichelzoo“, meint mein Freund. „Wenn du wüsstest, was ich gerade denke“, sagt er. „Wwwwaaaassss?“ „Schau mal hier am Boden. Das sind sicher Wildschwein-Spuren.“ Plötzlich höre ich etwas. Ich schaue, doch ich sehe nichts. Ein Gefühl beschleicht mich. Ich kann es nicht richtig beschreiben. Mulmig ist mir zumute. Doch irgendwie ist das Ganze auch spannend, abenteuerlich, aufregend. Wir gehen weiter. Der strenge Geruch begleitet uns noch eine Weile. „Hast du das vorhin auch gehört?“, frage ich meinen Freund. „Ja, da ist bestimmt ein großer Ast von einem Baum gefallen“, antwortet er. Nach insgesamt 4 Stunden Wanderzeit sind wir wieder beim Auto. Ein erleichterndes Gefühl macht sich breit, und ich glaube noch immer, da kann mein Freund sagen, was er will, dass das vorhin eine Wildsau und nicht einfach ein Ast war.

© Kristina Fenninger 2020-06-12

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