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Der Zahn und die Fee

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Der Zahn und die Fee | story.one

Eine Geschichte nach den ErzÀhlungen meiner Freundin Gudrun.

Es war an einem Sonntag im Oktober des vergangenen Jahres. Rosalie, ihre Tochter, hatte ihren ersten Milchzahn verloren. SorgfĂ€ltig wusch das MĂ€dchen ihn, um ihn dann am Abend fĂŒr die Zahnfee unter das Kopfpolster zu legen. So zumindest war der Plan.

Doch der Zahn glitt ihr aus den Fingern und wurde vom Waschbecken verschluckt. Rosalie war sehr traurig darĂŒber. Also zerlegte ihre Mutter den Syphon und suchte den Zahn. Dass das eine nicht ganz appetitliche Angelegenheit war, brauche ich, so glaube ich, nicht weiter zu erwĂ€hnen. Doch zumindest war die Aktion erfolgreich, und der Zahn wurde mit viel GlĂŒck gefunden. Ein Installateur freute sich ĂŒber einen Auftrag, die Schraubverbindungen waren nĂ€mlich jetzt undicht. Doch Rosalie war ĂŒberglĂŒcklich, ihren Zahn wiederzuhaben.

An einem sternenklaren Abend legte sie den Milchzahn unter das mit Lavendelduft besprĂŒhte Kopfpolster. Ganz aufgeregt war sie. Am nĂ€chsten Morgen war dieser dann weg. DafĂŒr aber fand das MĂ€dchen 2 € vor. Zuerst freute sie sich ja ĂŒber das Geld. Doch monatelang konnte sie ihren ersten ausgefallenen Zahn nicht vergessen. Weitere fielen aus, doch anstatt sie der Zahnfee zu geben, bewahrte sie sie in einem grĂŒnen “Tresor“ aus Plastik auf. Sie wollte sie einfach fĂŒr sich behalten. Und auch den ersten Zahn wollte sie unbedingt wieder zurĂŒck haben.

Im JĂ€nner dieses Jahres hatte sie dann eine Ă€ußerst kreative Idee: Sie bastelte einen Zahn aus Papier und wollte damit und mit 50 Cent die Fee erneut anlocken. Ihrer Mama diktierte sie einen Brief: „Liebe Zahnfee, bitte nimm die MĂŒnze und gib mir meinen Zahn zurĂŒck.“ Unterschrieben hatte sie dann selbst. Das konnte sie schon.

In der Nacht, als das MÀdchen schlief, kam wohl das mÀrchenhafte Wesen beim trotz der KÀlte geöffnete Fenster herein.

Am nĂ€chsten Morgen fand Rosalie den Zahn dann wieder vor. ÜberglĂŒcklich war sie darĂŒber.

Letzte Woche war ich dann mit meiner Freudin und ihrer Tochter am See und fragte Rosalie nach ihrem ersten Zahn. Ich bekam dann die Geschichte nochmals in ihren Worten erzÀhlt.

Außerdem fĂŒgte sie hinzu: „Der Zahn ist wichtiger als Geld.“

„Gaid kann gar nie so wichtig sei“ aus dem Lied “Großvater“ von STS kommt mir in den Sinn, wĂ€hrend ich diese SĂ€tze schreibe.

© Kristina Fenninger 2020-07-04

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